Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Europäisches Parlament wird 50, AJ, 12.3.2008

Das Europäische Parlament feiert heute sein 50.Jubiläum, in einer Feierstunde in Strassburg erinnerten die Abgeordneten an die Anfänge einer der inzwischen wichtigsten Institutionen der Europäischen Union. Der EU-Reformvertrag soll die Bedeutung des Parlaments weiter erhöhen, allerdings schmälert die geringe Wahlbeteiligung bei Europawahlen das Gewicht der Europäischen Abgeordneten.
Im März 1958 nannten sich die 142 Abgeordneten aus den sechs Güundungsstaaten der EU noch schlicht "Versammlung der Europäischen Gemeinschaften", die Kompetenzen waren minimal. Sollte nächstes Jahr der Reformvertrag in Kraft treten, dann werden 95 Prozent aller Beschlüsse der Europäischen Union durch das Parlament gehen. Nur Außenpolitik und Sicherheitspolitik bleiben ausgenommen. Keine andere übernationale parlamentarische Vereinigung hat so viel Einfluss.
Aber die politische Öffentlichkeit in Europa ist nach Nationalstaaten getrennt. Kaum jemand kennt den amtierenden Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering von der deutschen CDU. Europaabgeordnete sind oft auch in ihrer Heimat wenig bekannt, obwohl sie wahrscheinlich vielfach mehr entscheiden, als Volksvertreter in den Mitgliedsstaaten.
23 Sprachen, 5 locker miteinander verbundene Fraktionen, und das komplizierte Spiel zwischen den Institutionen lassen ein lebendiges Parlamentarisches Leben zwischen den 785 Abgeordneten aus den 27 Mitgliedsstaaten nur schwer aufkommen.
Dazu ist zuletzt ein Skandal um den Missbrauch von Sekretariatszuglagen durch einzelne Abgeordnete gekommen. Aufgedeckt wurden die Unregelmäßigkeiten durch die eigene interne Kontrolle des Parlaments, nicht durch Außenstehende. An der schlechten Presse, die die Folge ist, kann dieser Tatbestand trotzdem wenig ändern.
Bei den nächsten Europäischen Parlamentswahlen im Sommer 2009 wollen die großen politischen Familien erstmals auch ihre Kandidaten für den wichtigen Job des Präsidenten der Europäischen Kommission präsentieren. Man hofft auf diese Weise einen Schritt in Richtung eines gemeinsamen europäischen Wahlkampfes zu machen.

 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann