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Europa in der US-Wahlnacht,
ZiN-Spezial, 4.11.2008
Wieso diese Begeisterung für Obama?
Zu allererst war das ein Reflex gegen den amtierenden Präsidenten
George Bush, der zu einer Symbolfigur geworden ist für den Bruch,
zwischen Europa und Amerika, den es in den letzten Jahren gegeben hat.
Für viele Europäer war das ziemlich traumatisch, dass Europa
und Amerika in so vielen Fragen total auseinander gelegen sind. Das ist
ja nicht nur der Irankrieg, genauso Klimaschutz oder die Rolle der Religion
in der Politik, wo man diese Entfremdung erlebt hat.
Mit Barack Obama setzen die Europäer auf das was immer die größte
Stärke Amerikas war in Krisensituationen, die Fähigkeit der
amerikanischen Demokratie zur Selbstkorrektur, Und das symbolisiert Obama
in spektakulärer Weise. Nicht nur politisch, auch auf Grund seiner
persönlichen Geschichte.Und es ist natürlich eine Ironie,
dass eine amerikanischer Präsidentschaftskandidat in Europa so ungeheuer
populär ist, der auf Grund seiner Hautfarbe wahrscheinlich in keinem
europäischen Staat die Chance hätte auch nur Landeshauptmann
zu werden.
Wie groß ist die Gefahr der raschen Enttäuschung, wenn Obama
Präsident wird?
Natürlich, jeder Präsident wird vor allem amerikanische Interessen
im Blick haben, und die sicher nicht deckungsgleich mit denen der Europäer
sein. Da wird es manch harte Auseinandersetzungen geben.
Aber die Hoffnung ist, dass ein demokratische Administration einen frischen
Blick auf wirft auf die vielen alten Problemen. Das ist ja immer der Fall
wenn die Administration wechselt.
Es gibt einen Neuanfang. Den erhofft man auch für schwierige Problembereiche,
wie die Iranpolitik oder den Nahostkonflikt, wo Europäer und Amerikaner
nicht immer gleich ticken.
Und natürlich auch für den Klimaschutz, wo ja völlige Funkstille
geherrscht hat in der Ära Bush.
Obama hat sich jemand präsentiert, der grundsätzlich multilateral
denkt, der für Amerika die Verständigung mit den Verbündeten
in den Vordergrund steht, das wäre ein Bruch mit dem Ansatz von George
Bush.
Wieso haben die Europäer eigentlich Angst vor McCain, die zweite
Amtszeit Geortge Bushs war doch für sie nicht mehr so problematisch?
Natürlich, McCain hat als Senator etwa in der Frage des Klimaschutzes
durchaus Positionen eingenommen, die den Europäern sympatisch sind.
Aber: die Europäer fürchten die militaristische Sprache , militaristische
Reflexe McCains.
Gegenüber dem Iran, gegenüber Russland in der Georgienkrise
hat McCain sich als Hardliner positioniert. Und die Sorge der Europäer
ist, vielleicht wäre das wieder ein Präsident, der viel zu rasch
zu den Waffen greift bei internationalen Konflikten.
Gibt es jetzt ein neues Selbstbewusstsein in Europa, auch gegenüber
Amerika?
Bis zu einem gewissen Grad ja, es war ja in den letzten Monaten auffällig,
dass die Europäer und insbesonders die EU in zwei Krisensituationen
die Initiative ergriffen hat, in denen die USA ziemlich gelähmt erschienen
sind.
Das war die Kaukasuskrise, wo der EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy
eine Vermittlungsmission begonnen hat, während noch geschossen wurde.
Und das war letztlich erfolgreich, in Georgien schweigen die Waffen.
Auch in der Finanzkrise haben die Europäer das Gefühl, dass
sie handlungsfähiger waren als die amerikanische Führung.
Aber man weiss natürlich, ohne die USA lässt sich kein internationales
Problem lösen. Auch wenn die USA jetzt international in der Defensive
sind, sie bleiben die bei weitem wichtigste Weltmacht der Erde.
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