Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Finanzmarktaufsicht in Europa, MiJ, 4.3.2009

In Brüssel wird die Europäische Kommission heute neue Regeln für die krisengeschüttelte Finanzwelt vorschlagen. Es soll mehr kontrolliert werden und besser kontrolliert werden, darüber sind sich alle einig. Wer letztlich das Sagen hat, die Nationalstaaten oder neue Aufsichtsgremien, die bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt oder in Brüssel bei der Europäische Kommission entstehen könnten, das ist heftig umstritten, berichtet aus Brüssel Raimund Löw.
Geredet wird schon seit Jahren davon, dass 27 unterschiedlichen Regeln und Aufsichtsbehörden für Banken und Versicherungen in Europa nicht mehr zeitgemäß sind. Aber steht wehrten sich die Mitgliedsstaaten gegen alles, was in Richtung einer neuen Brüsseler Superbehörde gehen könnte. Doch die Bankenkrise zeigte deutlich, dass wie sehr nationale Aufsichtsbehörden auf verlorenem Posten stehen gegen die mächtigen Player der globalisierten Finanzwelt.
Heute wird die Europäische Kommission mit einem neuen Vorschlag den ersten konkreten Schritt in Richtung europäischer Finanzmarktregeln tun. Hochspekulative Hedge Fonds sollen in Zukunft europäischen Regeln unterworfen sein. Auch für die Gehälter der Bankenmanager könnte es EU-Richtlinien geben, heißt es in Brüssel. Schließlich ist die Bindung der Sonderzahlungen für Bankdirektoren an spekulative kurzfristige Gewinne einer der Gründe für die Fehlentwicklung der letzten Jahre.
Zwei Punkte stehen im Zentrum der Kommissionsvorschläge: man will man einen sogenannten Europäischen Rat für systemische Risiken bilden, der vom Präsidenten der Europäischen Zentralbanak geleitet wird. Dieses neue Gremium hätte die Aufgabe die ganz großen Risiken vorzeitig zu erkennen und Katastrophen abzuwehren. Entscheidend hier wird sein, wie viel Kompetenzen eine solche neue oberste Finanzbehörde der EU haben wird. Ob sie nur mit Ratschlägen oder auch mit Sanktionen operieren kann.
45 Großbanken kontrollieren 7o Prozent der Europäischen Finanzwelt. Es sind Institute, die in mehreren EU-Staaten gleichzeitig aktiv sind, wie die Deutsche Bank, BNP Parisbas oder Unicredito. Für solche Riesen unter den Banken wäre diese neue bei der Europäischen Zentralbank geschaffene Behörde der wichtigste Ansprechpartner.
Die Aufsicht jener Banken und Versicherungen, die vor allem im nationalen oder gar lokalen Rahmen tätig sind, soll nach diesem Plan in der Kompetenz der Mitgliedsstaaten bleiben. Dort soll auch die alltägliche Kontrollarbeit geleistet werden. Eine europäische Vernetzung soll nach dem Kommissionsvorschlag aber sicherstellen, dass die Finanzwächter der Mitgliedsstaaten in koordinierter Weise vorgehen und nicht gegeneinander arbeiten. Eine komplizierte Architektur, bei der auch die Frage sein wird, wer im Streitfall letztlich das Sagen hat.
Die Zeit drängt und die Europäische Kommission möchte, dass diese Vorschläge schon beim Frühjahrsgipfel in 2 Wochen von den Staats und Regierungschefs diskutiert werden. Auch das Europäische Parlament, das ja im Juni neu gewählt wird, hat ein entscheidendes Wort mitzureden.
Die Reaktionen auf die bisher bekannten Ideen waren durchaus unterschiedlich. Der ÖVP-Abgeordnete Otmar Karas, als Chefverhandler des Europäischen Parlaments intensiv mit der Materie befasst, spricht von einem Schritt in die richtige Richtung, verlangt aber gleichzeitig mehr Mut für eine europäische Lösung. Dem Verband deutscher Banken wiederum geht alles viel zu langsam. Die privaten Banken Deutschlands verlangen, dass mehr Aufsichtskompetenzen nach Brüssel übertragen werden.
Blockiert wurden das in der Vergangenheit vor allem von Großbritannien, das die großen Freiheiten der Londoner City unter keinen Umständen einschränken wollte. Jetzt ist die Finanzblase geplatzt. Und die britische Regierung ist kompromissbereiter als früher. Der britische Finanzminister Alistair Darling signalisiert, dass er grundsätzlich neuen Finanzregeln in der EU etwas abgewinnen kann. Allerdings: die nationalen Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten müssen nach britischen Vorstellungen immer das letzte Wort haben.
Es wird keine einfache Debatte werden.

 

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