Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Finanzminister verschieben Griechenlandentscheidung, MoJ, 21.6.2011


Wie ist es einzuschätzen, dass die Entscheidung zur Griechenlandhilfe letzte Nacht verschoben wurde?
Es ist kleiner Schritt in Richtung Auszahlung der nächsten Rate passiert diese Nacht, aber die Finanzminister wollen vor allem den Druck auf Athen nicht lockern, damit das Parlament das umstrittene zweite Spar-und Privatisierungspaket beschließt.
Man glaubt also ganz offensichtlich noch etwas Zeit zu haben, bis Mitte Juli können die Unterstützungsgelder durchaus fließen, Jean Claude Juncker hat das nach Ende der Sitzung ausdrücklich betont.
Wie sensibel der fall Griechenland für die Weltwirtschaft ist zeigt sich darin, dass noch während der Sitzung mit dem amerikanischen Finanzminister Telefongespräch gab, dem man offensichtlich versichern musste, dass Europäer Lage unter Kontrolle haben.
Wie ist denn der neue griechische Finanzminister von seinen 16 Kollegen aufgenommen worden, traut man ihm zu, sein Land aus dem Sumpf zu ziehen?
Nicht wahnsinnig entgegenkommend, das muss man schon sagen, denn was passiert diese Nacht das ist höchstens ein Schritt in Richtung Auszahlung der nächsten Rate. Die Finanzminister wollen den Druck auf Athen nicht lockern, damit das Parlament das umstrittene zweite Spar-und Privatisierungspaket beschließt.
Man glaubt also ganz offensichtlich noch etwas Zeit zu haben, bis Mitte Juli können die Unterstützungsgelder durchaus fließen, Jean Claude Juncker hat das nach Ende der Sitzung ausdrücklich betont.
Wie sensibel der fall Griechenland für die Weltwirtschaft ist zeigt sich darin, dass noch während der Sitzung mit dem amerikansichen Finanzminister Telefongespräch gab, dem man offensichtlich versichern musste, dass Europäer Lage unter Kontrolle haben.
die 12 Milliarden aus dem laufenden Hilfspaket wird Griechenland wohl bekommen, um den Zusammenbruch zu verhindern, aber was wenn die Regierung Papandreou morgen im Parlament stürzt? Dreht Brüssel den Geldhahn dann zu?
Kann ich mir nicht vorstellen, aber das wäre natürlich der totale GAU.
Der Pleitegeier für Griechenland wäre wieder voll da, mit allen verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und das europäische Finanzsystem.
Da müssten sich die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel Ende der Woche etwas Neues überlegen.
Belgien schlägt vor die verschiedenen Kreditraten an Griechenland weiter zu unterteilen. Also statt 12 Milliarden im Juli zwei Mal sechs Milliarden, gekoppelt an bescheidenere Auflagen.
Das geht allerdings in die Richtung eines Mikromanagements des griechischen Programms, den es bisher nicht gegeben hat.
Oppositionsparteien in ganz Europa, von der FPÖ in Österreich bis zu den Wahren Finnen fordern, dass kein Geld mehr nach Griechenland fließen darf, jetzt versucht man die Banken stärker in die Pflicht zu nehmen, das scheint aber nicht wirklich zu gelingen?
Die EZB wehrt sich mit dem Argument, dass dann die europäischen Banken neue Probleme bekämen und man vielleicht durch Steuergelder wieder die Banken retten muss. Ein ziemlicher Teufelskreis, solange man nicht sagt: ok, es gibt eine europäische Schuldenrechnung, ganz Europa bürgt für sagen wir 60 Prozent der Staatsschulden der Staaten, hat aber dafür auch entsprechenden Einfluss auf die Wirtschaftspolitik. Also eine große Lösung durch die Einführung von sogenannten Eurobonds, gegen die sich aber viele Staaten wehren. Damit wäre ein großer Teil des Problems wahrscheinlich gelöst.
Ist die EU hier im Würgegriff der Rating-Agenturen?
Sowohl die meist amerikanischen Rating-Agenturen als auch die riesigen Finanzgruppen und Banken haben sehr viel Einfluss keine Frage. Es ist nach wie vor möglich auf die Pleite eines Eurostaates zu wetten, diese Pleite dadurch zu beschleunigen und auch viel Geld zu machen, wenn ein Staat untergeht.
Sollte Griechenland wirklich pleite machen, würden sich einige Finanzhaie sehr freuen, denn darauf haben sie gewettet. Da kann ein einzelner Staats sicher wenig ausrichten, dass läßt sich nur durch eine strengere EU-weite Kontrolle der Finanzwelt unterbinden, die immerhin langsam kommt.
Immerhin gibt es jetzt Europäische Finanzaufsichtsbehörden, obwohl sich die Mitgliesstaaten lange dagegen gewehrt haben.

Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker sagt, man muss Griechenland mehr Luft zum Atmen geben, die Wirtschaft muss wieder wachsen, zeichnet sich da nach den Warnungen der Wirtschaftsexperten ein Umdenken ab, statt Kaputtsparen ein langfristiges Konzept zur Sanierung der griechischen Wirtschaft?
Noch nicht wirklich, Jean-Claude Juncker ist da ein bisschen ein Rufer in der Wüste, wie in vielen anderen Fragen auch. Aber über kurz oder lang wird man über ein Investitionsprogramm für Griechenland reden müssen, wenn einmal die größten Klippen der Schuldenkrise gemeistert sind.
Die Warnungen vor einem Flächenbrand, vor der nächsten Weltwirtschaftskrise waren in den letzten Tagen nicht zu überhören, denken die 17 Euro-Minister heute an Griechenland oder mehr an sich selber?
Ich vermute sie denken an beides, ohne Griechenlandhilfe ist natürlich Sicherheit in Europa vor einer neuen Krise, mit ihren Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze, eine Illusion. Aber damit man Stabilität auf Dauer im Euroraum schafft muss man über den nationalen Tellerrand hinausschauen und eben Dinge andenken wie Eurobonds, die Juncker befürwortet, einen Europäischen Finanzminister, den EZB-Chef Jean Claude Trichet andenkt, oder gar eine europäische Sozialversicherung. Aber da ist natürlich rech viel für die Tagespolitik.


 

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