Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Flüchtlingsstreit in der EU, ZiB 13, 11.4.2011

Ist Italien mit der Flüchtlingssituation überfordert?
Die Insel Lampedusa ist sicher überfordert, wenn da jede Nacht die Schiffe mit Menschen aus Nordafrika kommen, genauso das kleine Malta.
Aber insgesamt ist es doch bitte eine überschaubare Herausforderung. 20 000, vielleicht 25 000 Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten, das kann doch Europa nicht aus dem Gleichgewicht bringen, da fragt man sich sogar, wieso ein Land wie Italien Schwierigkeiten hat.
Da wird ganz offensichtlich politisches Kleingeld gemacht, der Verdacht ist da, dass dieses Thema ganz gezielt politisch hochgespielt wird.
In Italien durch die Lega Nord, auf die Silvio Berlusconi als Koalitionspartner angewiesen ist. Propaganda gegen angelbliche Überfremdung ist Kernthema dieser Partei. Manche Politiker sogar sagen Italien sollte aus der EU austreten, wenn es keine Hilfe gibt.
Genauso in Frankreich, wo die Regierung einen harten Kurs gegen Ausländer fährt, weil Sarkozy Abwanderung zu Le Pens Nationalen Front befürchtet
Auch in Deutschland oder Österreich die Frage, warum von verstärkten Grenzkontrolle die Rede ist, obwohl alle wissen, dass französischsprechende Tunesier vor allem zu Freunden und Verwandten nach Frankreich wollen.
Welcher Kompromiss denkbar?
Es gibt die Europäische Grenzschutzagentur Frontex, die soll jetzt verstärkt im Mittelmeer zu Einsatz kommen gegenüber den Schlepper, die Wirtschaftsemigranten ohne Papiere transportieren, oft unter lebensgefährlichen Umständen.
Aber Innenkommissarin Malmström sagt auch, man muss unterschieden zwischen dieser Migrationsbewegung aus Tunesien und Flüchtlingen aus Libyen, wo ja Bürgerkrieg herrscht. Flüchtlinge aus Libyen müssen das Recht auf Asyl haben, das gehört zu den europäischen Grundrechten.
Und da drängt auch die Kommission auf größere Solidarität, zum Beispiel aus dem kleinen Malta sollte Flüchtlinge auch in anderen EU-Staaten aufgenommen werden.
Schon kleine Gesten in diese Richtung würde vielleicht helfen, die aufgestauten Emotionen zwischen EU-Staaten abzubauen.


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann