Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Floettl Portrait, MoJ, 25.3.2006

Wer auf den Wirtschaftsseiten der amerikanischen Zeitungen nach Wolfgang Floettl sucht, oder Wolfgang Flottl, wie er in Amerika heisst, der wird den Namen in den letzten Jahren immer seltener finden. Ross Capital Markets, der Spekulationsfonds ueber den Floettl die riskanten Geschaefte der BAWAG abgewickelt hat, ist immerhin im Telefonbuch der Inselgruppe der Bermudas aufgelistet. Es meldet sich ein Tonband.
Diskretion ist alles in der New Yorker Hochfinanz, zu der Floettl seit Jahren gehoert. Welcher Art von Geschaeften der Sohn des ehemaligen BAWAG Generaldirektors seit dem grossen Flopp des Jahres 2000 nachgeht, als die oesterreichische Gewerkschaftsbank am Rand der Zahlungsunfaehigkeit stand, das ist ziemlich unklar. Als in New York das Brokerhaus Refco im vergangenen Herbst kollpierte, da gab er Geschaefte ueber Refco zu, aber Schulden habe er stets beglichen. Und die BAWAG habe mit seinen Geschaeften nur Gewinne gemacht, versicherte Floettl damals dem Wall Street Journal.
In den Achtzigerjahren hatte der Bankierssohn aus Wien an der angesehenen Harvard Universitaet in Boston studiert. Von dort aus nahm seine Karriere in der New Yorker Finanzwelt ihren steilen Aufstieg. Riskanten sogenannte Karibikgeschaefte machten ihn zum Multimillionaer. Das luxurioese Anwesen Wolfgang Floettls auf Bermuda steht auf einer Insel, die ihm zum Teil selbst gehoert. Nachbarn sind Silivio Berlusconi und der amerikanische Milliardaer Ross Perot. Die Tore in die Creme der Gesellschaft eroeffnete ihm seine Frau Ann Eisenhower, eine Enkelin des frueheren amerikanischen Praesidenten Eisenhower.
Als Wolfgang Floettls Karibikgeschaefte 1994 das erste Mal zum Skandal fuehrten, da kam er im Privatflugzeug zum Interview ins ORF-Studio in Washington. Inklusive einer Leibwache, die von einem ehemaligen FBI-Chef New Yorks befehligt wurde. Dass an seinen Geschaeften irgendetwas faul sein koennte, das dementierte damals sogar ganz offiziell das Justizministerium der USA.
Ende der Neunzigerjahre, als die BAWAG mit seiner Hilfe in der Karibik noch viele Millionen verdiente, da wurde Wolfgang Floettl zu einem der potentesten Kaeufer der allerteuersten Kunstwerke der Welt. Picasso, Cesanne, Van Goh, nichts ist ihm zu teuer. In den Auktionshaeusern von Sotherbys und Christies in New York und London ging der Banker aus Austria aus und ein.
Dass es im Jahr 2000 mit dem Milliardenverlust der BAWAG einen Knick gegeben hat in seiner Karriere, das wusste niemand. Wolfgang Flottl ist als Kunstmaezen taetig und er besucht die Wohltaetigkeitsveranstaltungen der High Society. Nur wenn man genau hinsieht merkt man: auf dem Kunstmarkt kauft Floettl ploetzlich nicht mehr, er verkauft, und zwar im grossen Stil. Ein Picasso bringt ihm im Jahr 2000 immerhin 60 Millionen Dollar ein. Drei Jahre spaeter muss Flottl beim Verkauf eines Van Gogh mehr als 4 Millionen Dollar Verluste hinnehmen, 2004 gibt er einen Degas um 7,5 Millionen Dollar ab, den er Jahre zuvor viel teurer um 9,7 Millionen gekauft hat.
Wie es zu diesen Verkauefen ueberhaupt kommen konnte, wenn angeblich das gesamte Vermoegen Wolfgang Floettls laengst der BAWAG gehoert hat, das ist eine der vielen offenen Fragen.

 

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