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Folgen Delphi
Insolvenz, MoJ, 13.10.2005
Zumindest die Loehne kann der Autozulieferer Delphi vorlaeufig auszahlen,
das war eine der ersten Entscheidungen des Konkursrichters in New York.
Aufatmen koennen die mehr als 50 000 amerikanischen Mitarbeiter des zweitgroessten
Autoteilherstellers in den USA deshalb noch lange nicht. Denn beim Fall
Delphi geht es um eine Weichenstellung fuer die gesamte Autoindustrie.
Und fuer die Gewerkschaften, die anders als sonst in Amerika in der Autobranche
noch grossen Einfluss haben, geht es um Leben oder Tod.
Delphi schreibt seit Jahren Verluste in Milliardenhoehe und vergangene
Woche stellte der oberste Chef Steve Miller der Gewerkschaft ein Ultimatum:
bei Lohnkuerzungen von sage und schreibe 60 Prozent koennte die Insolvenz
vermieden werden. Statt eines durchschnittlichen Stundenlohnes von 26
Dollar wuerden die Delphi-Mitarbeiter eben nur mehr 10 bis 12 Dollar verdienen.
Dass eine Gewerkschaft auf solche Forderungen nicht eingehen kann war
klar. Doch jetzt entscheidet der Konkursrichter. Und er koennte noch um
vieles mehr an gewerkschaftlichen Errungenschaften der vergangenen Jahre
streichen. Die einst so maechtige United Autoworkers Union UAW steht mit
dem Ruecken zur Wand.
Delphis Gang in die Zahlungsunfaehigkeit war eine gezielte Kriegserklaerung
an die Gewerkschaften der gesamten Autobranche, heisst es ziemlich uebereinstimmend
in der Presse. Denn wenn der stolzen United Autoworkers Union bei Delphi
mit Hilfe des Konkursrichters das Rueckrat gebrochen wird, dann wuerde
schlagartig auch bei Chryzler, Ford oder General Motors der Druck auf
die Gewerkschaften steigen.
Tatsaechlich zahlen die amerikanischen Autofirmen vielfach aehnliche Sozialleistungen,
wie in Europa. Die Loehne sind ueberdurchschnittlich gut und es gibt Kuendigungsschutz.
Die Mitarbeiter sind krankenversichert, fuer Amerika nicht alltaeglich,
und Betriebspensionen begleiten den Lebensabend. Eine ganze Schicht von
finanziell gut abgesicherten Facharbeitern vor allem in der Autoindustrie
ist seit Jahrzehnten die Saeule des Wohlstandes im amerikanischen Midwest.
Aus Sicht der Unternehmer ist die sich daraus ergebende Kostenstruktur
aber der Grund dafuer, dass die amerikanischen Autofirmen aus ihrem Tief
nicht herauskommen. Delfi gilt mit seinem Schritt in die Zahlungsunfaehigkeit
als Vorreiter, um das zu aendern.
Besonders aufmerksam verfolgt man beim Autoriesen General Motors die Entwicklung.
Der Zulieferer Delfi hat sich 1999 von General Motors selbstaendig gemacht.
Und damals versprach der Mutterkonzern im Krisenfall fuer die Betriebspensionen
der Mitarbeiter gradezustehen. Der Fall duerfte jetzt eintreten, denn
der Pensionskasse von Delfi fehlen mehr als 10 Milliarden Dollar. Die
staatliche Rueckversicherung will nur knapp die Haelfte dieser Summe uebernehmen
und Mitarbeiter, die jahrzehntelang eingezahlt haben, zittern um ihre
Pension.
Auch die obersten Manager von Delfi duerften sich ihrer Position nicht
mehr so sicher sein: sie haben sich am Tag vor der Zahlungsunfaehigkeit
ihre Abfertigungsansprueche um 50 Prozent erhoeht.
Nach amerikanischem Recht laeuft die Produktion waehrend des Insolvenzverfahrens
unter Aufsicht des Konkursrichters und geschuetzt von den Anspruechen
der Glaeubiger weiter. Der europaeische Teile von Delfi gilt als profitabel
und ist nach Angeben der Firma von den amerikanischen Turbulenzen nicht
betroffen.
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