Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Gegen die "Berlusconisierung", Die Presse, 14.4.2009

Raimund Löw, ORF-Büroleiter in Brüssel und Sprecher der Auslands-Korrespondenten, drängt auf ein Gesetz, das den ORF maximal "politikferne" macht. Ein "Presse"-Interview von Regina Pöll.Die Presse: Im Mai erhalten Sie den Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung für besonders wertvolle Leistungen im Fernsehen. Sehen Sie diese Art von Qualitätsjournalismus durch die Finanzkrise, auch durch die wirtschaftliche Krise des ORF bedroht?
Raimund Löw: Es ehrt mich, dass ich den Preis bekomme. Mit dem Namen Corti verbinde ich viel Hintergründigkeit in Fernsehen und Radio, die nicht immer präsent ist. Der ORF bot immer für beides Raum: für Mainstream und fürs Hinterfragen, auch für Außenseiter und ihre Gedanken. Es gibt die Tendenz zur Kommerzialisierung - und die Gegentendenz zu ausführlicheren Berichten. Der wiederauferstandene Club 2 ist eine Erfolgsstory. Gleichzeitig ist gerade bei Europathemen knappe Information an ein breites Publikum nicht zu unterschätzen, etwa via Ö3 oder ZIB. Generaldirektor Wrabetz hat massive Einsparungen angekündigt, etwa für das Sport- und Eigenprogramm des ORF oder eine Nulllohnrunde 2010. Ist dies das richtige Signal?
Löw: Ich kann als Redakteurssprecher der Auslandskorrespondenten sagen, dass es wichtig ist, dass das Korrespondentennetz erhalten wird. Wir haben eine Zusicherung des Generaldirektors, dass da nichts radikal geändert wird. Die Notwendigkeit zu sparen sehe ich klarerweise ein. Aber es wäre fatal, würde das weltweite Netz aus zwei Dutzend Korrespondenten eingeschränkt. Sie sind Teil der österreichischen Identität des ORF.SPÖ-Entwürfen zum ORF-Gesetz zufolge würde der Aufsichtsrat künftig von SPÖ und ÖVP und nicht von den Oppositionsparteien bestellt werden. Ist das sinnvoll? Löw: Im Redakteursausschuss haben wir formuliert, was uns wichtig ist: dass das Aufsichtsgremium ein Maximum an Distanz von der Politik garantiert. Das muss nach der eigenen Logik der medialen Öffentlichkeit und nicht nach der Logik der politischen Macht, der Regierung funktionieren. Wir warnen vor dem Trend in Europa, dass Regierungen Fernsehsender politisch beeinflussen wollen, wie in Frankreich oder Italien. Wir warnen vor einer Berlusconisierung der Medienlandschaft. Viele sehen eine solche Gefahr offenbar auch in Österreich. Sehen Sie diesen Trend, diese Gefahr vor allem seit der Regierung Faymann?
Löw: Den Trend gab es auch schon früher. Es ist tragisch, dass Gesetzesänderungen von Regierungen gepusht werden, die in Wirklichkeit die Geschäftsführung auswechseln wollen. Es wäre fatal, wenn es zur Tradition würde in Österreich, dass jede Regierung sich eine ORF-Führung aussucht. Die Versuchung ist sicher da. Aber es wäre ein Ausdruck der Stärke und des Selbstbewusstseins einer Regierung, würde sie endlich ein Gesetz machen, das den ORF politikferne macht. Schließlich sind starke unabhängige Medien gerade in Krisenzeiten wichtig. Hat General Wrabetz schon ausgedient?
Löw: Nein, wieso? Die Geschäftsführung hat noch eine Amtszeit von drei Jahren. Alles andere kann ich nicht beurteilen. Das gegenwärtige Führungsteam hat ein hohes Maß der Unabhängigkeit der Berichterstattung geschaffen. Gerade in Brüssel sind immer wieder Minister zu Besuch. Aber ich hatte in eineinhalb Jahren nie die Situation, dass wir über etwas hätten berichten müssen, obwohl es nicht interessant ist, nur wegen übergeordneter, nichtjournalistischer Gründe. Was halten Sie von der Aktion österreichischer Zeitungen: "Rettet den ORF"? Löw: Alles, was öffentliche Diskussion über den ORF fördert, ist gut. Einige Vorschläge scheinen mir aber unsozial, wenn ich etwa an einen Abbau von 1500 Kolleginnen und Kollegen denke. Da sollte man Lösungen suchen, die in Richtung Solidarität gehen.

 

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