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Gipfelnachbetrachtung, MiJ, 24.10.2011 MiJ, 24.10.2011
Kann das wirklich funktionieren, dass man eine Krise, die durch böse Finanztricks verursacht worden ist, mit neuen Finanztricks lösen will ? Kann eine Feuermauer halten, die zu vier Fünfteln auf Hebelkonstruktionen beruht ? Da sind die Finanzexperten sehr geteilter Meinung. Auch ein einfacher Kredit eines Häuselbauers ist ja ein Hebel, wenn man 20 Prozent oder 30 Prozent selbst beisteuert. Wenn die Staaten Haftungen übernehmen und auf der Grundlage dieser Haftungen Kredite für Banken oder für Schuldnerstaaten übernehmen, sind das auch irgendwie Hebeln. In diese Richtung geht die ursprüngliche Idee Frankreichs die EZB in die Aufmunitionierung des Schutzschirms einzubinden, indem der Schutzschirm wie eine Bank agiert. Das wird von vielen Ökonomen befürwortet, aber aus Berlin kommt ein dezidiertes Veto, weil das nicht nicht Tradition der Bundesbank entspricht.
Wer sitzt denn in der Eurokrise politisch an den längeren Hebeln ? Deutschland mit seiner Versicherungslösung oder Frankreich mit seinem Konkurrenzplan einer Banklizenz für den Rettungsschirm ? Am längeren Arm sitzt wahrscheinlich Deutschland, wie in allen finanziellen Angelegenheiten in der EU. Aber Frankreich hat wie gesagt auch starke Argumente auf seiner Seite. Die Idee vom Wochenende war zwei Dinge parallel zu machen: einerseits die von D und Ö befürwortete Versicherungslösung. Danach würde der Schutzschirm zum Beispiel Staatsanleiehen von Italien oder Spanien zu 20 Prozent versichern, also eine Teilkaskoversicherung für Staatspapaiere, wenn ,man will. Aber gleichzeitig als Ergänzung soll noch ein zusätzlicher Fonds gegründet werden, an dem sich der Internationale Währungsfonds beteiligen würde, vielleicht sogar das dank seines Ölreichtums finanzstarke Norwegen, oder andere Investoren wie China. Klar, das klingt alles nach Finanzalchemie, aber vieles was nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers international getan wurde, war auch Finanzalchemie. Politisch ist die Frage sind die Europäer bereit nicht nur kleine Euro Staaten bei Angriffen der Finanzmärkte zu verteidigen, sondern neben kleine auch große. Das ist erforderlich um glaubwürdig zu sein, und die politischen Signale dazu sind eindeutig positiv. Ob die Finanzalchemie dann funktionieren kann ist eine andere Frage.
Man hat als Beobachter das Gefühl, Deutschland und Frankreich bestimmen in der Eurokrise alles quasi unter sich - der britische Premierminister Cameron soll dagegen bereits aufbegehrt haben. Wie dominant sind Merkel und Sarkozy wirklich ? Sehr, wobei Deutschland in finanzfragen deutlich stärker den Ton angibt, als F. Dominanz D und F hängt auch mit lockeren politischen Integration EU zusammen. Wäre doch viel sinnvoller nicht in 17 nationalen Parlamenten über Milliarden des Schutzschirms abzustimmen, sondern im Europaparlament, das ja demokrtisch legitimiert ist. Aber so weit ist man nicht.
Der amtierende EU-Ratsvorsitzende Donald Tusk aus Polen sagt, in den kommenden Tagen werde über das Schicksal Europas entschieden, einige Länder könnten wirtschaftlich untergehen, wenn nicht rasch entschieden werde - viel dramatischer kann man die Dinge wohl nicht schildern. Realismus oder Panikmache ? Schon das Gefühl, dass man es mit einer Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte zu tun hat, und nicht einer der vielen quasi normalen Krisen der Vergangenheit. Damit ist der polnische MP nicht alleine. Ob diese Weichenstellung in den nächsten 48 oder 72 Stunden fallen wird, das weiß ich nicht, da wird sicher nachjustiert werden und es werden auch neue Probleme zu lösen sein.
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