| |
|
Gore fuer
Dean, MoJ, 9.12.2003
Fuenf Wochen vor den Vorwahlen im Bundesstaat Iowa scheint innerhalb der
Demokratischen Partei der Vormarsch des ehemaligen Gouverneurs von Vermont
Howard Dean nur mehr schwer aufzuhalten. Dean liegt in den Meinungsumfragen
sowohl in Iowa als auch in dem noch wichtigeren New Hampshire seit Wochen
klar vornan.
Und jetzt bekommt der wortgewaltige Ex-Gouverneur auch die Unterstuetzung
von Al Gore, dem Mann den viele Demokraten noch immer als den eigentlichen
Sieger der Praesidentschaftswahlen des Jahres 2000 ansehen. Fuer die amerikanische
Politik ist die Entscheidung Gores, sich in diesem fruehen Stadium des
Wahlkampfes fuer Dean zu engagieren eine Sensation ersten Ranges. Sie
macht Howard Dean endgueltig zum grossen Favoriten im demokratischen Lager,
bringt doch Al Gore jenes Ausmass an Insidererfahrung im Washingtoner
Maechtespiel mit, das dem als Aussenseiter kandidierenden Mann aus Vermont
bisher abgegangen ist. Dem demokratischen Establishment wird es jetzt
nicht mehr so leicht fallen Dean als linksliberales Leichtgewicht mit
wenig Chancen gegen George Bush darzustellen.
Al Gore bingt sich nach laengerer Zeit der politischen Abstinenz mit dieser
Entscheidung wieder voll in die Tagespolitik ein. Erst vor wenigen Wochen
hat er in einer ungewoehnlich scharfen Rede die Irakpolitik der Regierung
kritisiert und George Bush eine Einschraenkung der Buergerrechte im eigenen
Land vorgeworfen. Jetzt tritt er fuer den Politiker ein, der sich am staerksten
als Anti-Bush-Kandidat positioniert hat und dessen ganze Wahlkampagne
auf der Ablehnung des Irakkrieges basiert.
In den amerikanischen Medien wird schon von einem moeglichen Richtungsstreit
innerhalb der Demokratischen Partei gesprochen, bei dem Al Gore und Howard
Dean als Vertreter eines linken Fluegels mit einer zentristischen Gruppe
um Hillary und Bill Clinton wetteifern. Hillary Clinton, die Senatorin
von New York, war nach einer Irak- und Afghanistan-Reise an diesem Wochenende
auf jeden Fall mit einer entschiedenen Verteidigung ihrer Befuerwortung
des Irakkrieges zu hoeren, in klarer Abgrenzung zu den Antikriegspositionen
Deans und seiner Freunde.
Dass sich Al Gore mit all seinem Prestige jetzt auf die Seite Howard Deans
geschlagen hat, bedeutet aber vorerst: die Dean-Bewegung mit ihren vielen
ueber das Internet verbundenen freiwilligen Helfern, die als Protestbewegung
gegen das nachgiebige Parteiestablishment entstanden ist, ist drauf und
dran die demokratische Partei zu erobern.
nach oben,
Fenster schließen
|