Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Griechenland aktuell, Abendjournal, 3.6.2011



Die Experten der EU und des Internationalen Währungsfonds, die seit Wochen die griechischen Finanzen unter zu Lupe nehmen, haben ihren Bericht positiv beendet. Soviel ist aber klar: Griechenland braucht mehr Zeit und mehr Geld, um aus der Schuldenkrise herauszufinden.
Das griechische Finanzministerium spricht von einem positiven Abschluss der Gespräche mit den internationalen Finanzexperten. Was bedeutet, dass man sich geeinigt hat, welche zusätzlichen Sparanstrengungen Griechenland unternehmen wird. Auf dieser Grundlage kann die finanzielle Unterstützung des Landes durch die EU und den internationalen Währungsfonds weitergehen. Die Gefahr des Staatsbankrotts ist abgewendet.
Konkret sollen bechleunigte Privatisierungen in Griechenland sollen einen Ertrag von 30 Milliarden Euro erbringen.
Das wird der wichtigste Beitrag der Regierung in Athen für ein geplantes neues Hilfspaket sein. Denn dass sich Griechenland schon im kommenden Jahr durch Anleihen am privaten Markt finanzieren kann, das hat sich Illusion erwiesen. Das alte Sanierungsprogramm über 110 Milliarden Euro nach dem aktuellen Plan auf 195 Milliarden, gestreckt über drei Jahre erweitert werden. Der Internationale Währungsfonds, die Europäische Union und die zusätzlichen griechischen Anstrengen sollen diese Aufstockung möglich machen. Anders als bisher werden nicht mehr bilaterale Kredite an Athen ausgegeben, sondern Griechenland soll unter den Euroschutzschirm gestellt werden, so wie auch Irland und Portugal. Das wird Europas Finanzminister freuen, die Griechenland nicht mehr direkt aus dem Budget unterstützen müssen, wenn der Euroschutzschirm einspringt.
Private Investoren wie Banken oder Fonds will man durch die freiwillige Verpflichtung beteiligen, dass griechische Staatsanleihen verlängert werden, auch wenn die Laufzeit beendet ist. Muster ist die sogenannte Wiener Vereinbarung, durch die 2009 osteuropäischen Staaten und österreichischen Banken geholfen wurde.
Der neue Sanierungsplan ist weitgehend ausgehandelt, aber auch bei Einzelheiten kann es immer wieder Probleme geben. Die Besetzung des Finanzministeriums in Athen heute morgen hat neuerlich gezeigt, wie ernst die soziale Lage in Griechenland inzwischen geworden ist. Das letzte Wort werden wahrscheinlich die Staats-und Regierungschefs beim EU-Gipfel Ende Juni haben, in mehreren EU-Staaten muss auch das Parlament der geplanten Ausweitung des Griechenland-Hilfspakets zustimmen.

 

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