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Griechenland aktuell, ZiB
13, 10.5.2011
Zur Griechenlandkrise gab
es in den letzten Tagen viele Gerüchte, viele Dementis. Eurogruppenchef
Jean-Claude Juncker hat sogar zugegeben, dass er in der Vergangenheit
gelogen hat - wie glaubwürdig ist die Eurostabilisierung eigentlich
noch?
Es ist natürlich so, dass mit Halbwahrheiten, Verdrehungen, oft auch
Lügen sehr viel gearbeitet wird in der Politik überall, nicht
nur in der EU und nicht nur in der Finanzpolitik. Aber wenn das ein Spitzenpolitiker
zugibt, dann ist das ein riesiger Skandal.
Was das letzte Woche passiert ist, mit einem Geheimtreffen, dass dann
nicht geheim war, weil jemand in Berlin dem Presse die Falschinformation
gegeben hat, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen will, das war ein
richtiges Waterloo der Kommunikation.
Weil Stimmungen so wichtig sind in der Finanzwelt fragen sich viele, wer
diese Gerüchte eigentlich streut und in wessen Interesse.
Die Europäer haben ja gehofft, dass sie mit dem Euro-Rettungsschirm
die finanziellen Turbulenzen in den Griff bekommen haben. Und das hat
ja auch einige Zeit so ausgesehen. Die Irlandhilfe hat funktioniert, auch
in Portugal kann EU-Unterstützung greifen.
Griechenland zeigt jetzt die Grenzen des EU-Krisenmanagements.
Welche Lösungen werden in Brüssel eigentlich ernsthaft für
Griechenland diskutiert? Heisst die Alternative wirklich eine Rückkehr
Griechenlands zur Drachme oder immer neues Geld aus der EU nach Athen?
Radikalkuren wie ein Austritt Griechenlands aus dem Euro werden zwar von
Rechtsaußenpolitiker propagiert und vereinzelt auch von Experten,
aber dafür orte ich wenig Unterstützung bei den Entscheidungsträgern.
Die allgemeine Meinung ist: der Schaden solcher Radikalen Schritte wäre
viel, viel größer als der Nutzen. Weil die europäischen
Steuerzahler dann nicht nur die Griechenlandkredite endgültig abschreiben
müssten, sondern gleich noch einmal das eigene Bankensystem retten
müssten. Denn die europäischen Banken wären bedroht, die
so viel Geld an griechische Firmen, griechische Banken und auch den griechischen
Staat gesteckt haben.
Wahrscheinlicher ist, dass kommt was die Europäische Kommission befürwortet:
längere Rückzahlungsfristen nicht nur für Griechenland,
auch für Irland, und geringere Zinsen für die Unterstützungsgelder,
damit die Wirtschaft dort einen größeren Spielraum bekommt
sich zu erholen.
In diesem Rahmen könnte schon auch noch Geld nachgeschossen werden,
das stimmt.
Aber der Eurorettungsschirm ist ja dazu da, Krisensituationen zu meistern,
wenn die Alternativen noch viel schlimmer wären, und er hat sein
Pulver noch lange nicht verschossen.
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