Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Griechenland aktuell, ZiB 2, 3.6.2011



Noch vorgestern hat der IWF angekündigt, die nächste Tranche für Griechenland nicht mitzuzahlen. Ist das jetzt Sinneswandel?
Es haben sich alle bewegt bei diesen Verhandlungen, aber der IWF wahrscheinlich noch am wenigsten.
Der Währungsfonds hat gesagt, es darf keine Finanzierungslücken geben für Griechenland, sonst macht er nicht mit. Das heisst, das Geld muss da sein, damit der griechische Staat funktionieren kann
Aber jetzt ist geplant, dass Griechenland völlig unter den Euro-Rettungsschirm kommt. Dann wird es diese Lücken tatsächlich nicht geben, weil der Rettungsschirm einspringt. Bevor das fix ist, gibt es auch die nächste Tranche nicht.
Bisher hat man ja geglaubt, dass sich Griechenland schon ab 2012 so verhalten wird können, wie alle anderen Staaten auch, wenn sie Geld brauchen. Das heisst dass Griechenland sich schon im nächsten Jahr Geld über den privaten Anleihemarkt ausborgt. Das war eine Illusion, es war viel zu früh.
Griechenland braucht mehr Zeit. Die griechische Regierung sagt ja jetzt, sie will rasch privatisieren, der Hafen von Pireus, diverse Flugplätze auf Ägäisinseln, sollen verkauft werden. Daher sind die Europäer bereit auch mehr Geld zuzuschießen.Jean-Claude Juncker, der Chef der Eurogruppe hat heute gesagt: Es werde keine Pleite Griechenlands geben. Legt sich Europa da nicht vorzeitig auf weitere Finanzspritzen fest?
Ja, sicher, das ist schon der Fall. Aber ohne eine solche Festlegung ist an eine Beruhigung nicht zu denken.
Es ist ja dieser 450-Milliarden Schutzschirm der im vergangenen Jahr die Wende zum Besseren für de nEuro gebracht hat. Der Schutzschirm bedeutet: Länder, die einen Sanierungskurs fahren, werden nicht fallengelassen.
Die Mittel des Schutzschirms noch lange nicht ausgeschöpft.
Finanztechnisch ist das durchgespielt mit dem IWF. Offen ist die politische Frage, ob EU-Gegner in Finnland oder Gert Wilders in den Niederlanden eine Stabilisierung des Euro durch Einsatz des Rettungsschirms auch für Griechenland behindern können.
Bisher war das nicht der Fall.

 

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