Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Griechenland braucht Notkredite, ZiB 1, 23.4.2010

Veit Hannelore (ORF)
Raimund Löw in Brüssel, was hat die griechische Regierung denn
veranlasst, den Hilfsmechanismus jetzt tatsächlich auszulösen?
Löw Raimund (ORF)
Diese so genannten Finanzmärkte, also Fonds und Banken, die
internationale Staatsanleihen kaufen, haben absolut kein Vertrauen
gehabt, dass es Griechenland aus eigener Kraft schaffen kann sich
aus diesem tiefen finanziellen Loch herauszuarbeiten, besonders
seitdem gestern zusätzliche noch schlechtere Budgetdaten in
Brüssel veröffentlicht worden sind, daher sind die Zinsen, die die
griechische Regierung zahlen muss, sehr, sehr hoch. Ein großer
Teil der Einsparungen der letzten Wochen und Monate sind direkt in
die Taschen von Spekulanten geflossen, die in solchen
Krisensituationen Geschäfte machen. Da blieb der Regierung in
Athen nichts anders übrig als den Notanker zu ziehen, als den
Notanker zu suchen.
Veit Hannelore (ORF)
In Griechenland gehen die Menschen seit Wochen auf die Straßen,
wird oder kann es jetzt eine Wende zum Besseren geben für sie?
Löw Raimund (ORF)
Bis die Menschen in Griechenland eine Verbesserung spüren, kann
es noch recht lange dauern, denn die Regierung in Athen hat ja
nicht nur die EU um Hilfe gerufen, sondern auch den
Internationalen Währungsfonds. Der Währungsfonds ist bekannt
dafür, dass er seine Darlehen immer an sehr, sehr strenge
Sparpläne koppelt, für die Menschen in Griechenland stehen bittere
Jahre bevor.
Veit Hannelore (ORF)
Eine Atempause ist es auf jeden Fall, ist die Gefahr für die
europäische Währung jetzt gebannt?
Löw Raimund (ORF)
Die unmittelbare Gefahr für den Euro ist wahrscheinlich gebannt,
die Europäer zeigen, dass sie auch in der Tat das umsetzen was sie
versprochen haben, dass kein EU-Land hängen gelassen wird, aber
nach wie vor gibt es eine Ansteckungsgefahr, dass diese
griechische Krankheit sich auf andere schwächere Euroländer
ausbreitet, und unklar ist, was für Konsequenzen werden aus dieser
griechischen Tragödie gezogen, wird es so etwas wie eine
EU-Wirtschaftsregierung, von der man so oft spricht, je geben.



 

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