Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Griechenland und EU-Finanzminister, MiJ, 16.2.2010

Die griechische Schuldenkrise hält nach wie vor die EU in Atem. Die Europäer erhöhen den Druck auf die Regierung in Athen, durch weitreichende Sparschritte das Budgetdefizit noch diese Jahr von 12,7 Prozent des BNP um vier Prozentpunkte zu reduzieren. Heute sind die Finanzminister am Zug.
Nach der gestrigen Vorbesprechung unter den 16 Eurostaaten werden heute alle 26 EU-Finanzminister auch formell die Verschärfung des Defizitverfahrens gegen Griechenland beschließen. Weil die griechische Schuldenpolitik das ordnungsgemäße Funktionieren der Wirtschafts-und Währungsunion gefährdet, so heißt es wörtlich nach Artikel 121 der EU-Verträge, verlangen die Europäer von der Regierung Papandreou eine tiefgreifende Umorientierung der gesamten Wirtschaftspolitik.
Vor allem der Europäische Zentralbank gehen die bisher geplanten Sanierungsmaßnahmen nicht weit genug. Heute früh schlug sich auch Schweden, das ja nicht zur Eurozone gehört, auf die Seite der Hardliner. Für Finanzminister Anders Borg ist nach wie vor nicht gesichert, dass die Griechen Steuern zahlen wie andere EU-Bürger auch. Ebenso wie Großbritannien will auch Schweden den Internationalen Währungsfonds anrufen, was von den Euroländern jedoch abgelehnt wird.
Die Regierung in Athen bekommt einen Monat Galgenfrist, in der geprüft werden soll, ob zusätzliche Einschnitte erforderlich sind. Die Rede ist von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Abschaffung des 14.Gehalts für Staatsbedienstete und neue Steuern auf Luxusgüter.
Wie schon die Staats-und Regierungschefs vergangene Woche, versprechen auch die Finanzminister im äußersten Notfall finanzielle Hilfe aus der EU, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Die Finanzmärkte täuschen sich schwer, wenn sie meinen, dass sie Griechenland in Stücke reißen können, warnt der Chef der Eurogruppe Jean Claude Juncker aus Luxemburg.
Der griechische Wunsch nach einem konkreten Rettungskonzept auch für die Zukunft wurde allerdings nicht erfüllt. Immerhin bestätigt ein Rechtsgutachten des deutschen Bundestages, dass bei drohender Zahlungsunfähigkeit, gegenseitige Unterstützung im Euroraum sehr wohl erlaubt ist.
Die von einigen deutschen Wirtschaftsexperten vertretene Idee, dass es besser wäre Griechenland würde den Euro verlassen, wird von den Finanzministern zurückgewiesen: der Schaden eines griechischen Austritts für die anderen Euroländer wäre um vieles größer, als der Preis der Unterstützung, so heißt es in Brüssel.

 


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann