Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Guantanamo - zwei Prozesse niedergeschlagen, AJ, 5.6.2007

Ein Militaergericht im umstrittenen amerikanischen Gefangenenlager von Guantanamo hat die Anklage gegen zwei Haeftlinge, denen der Prozess gemacht werden sollte, fuer unzulaessig erklaert. Die vom Militaer gestellten Verteidiger der beiden Angeklagten hoffen, dass mit dieser Entscheidung alle weiteren Verfahren gestoppt sind und regulaere amerikanische Gerichte an die Stelle der fuer auslaendische Terrorverdaechtige geschaffenen Sonderjustiz treten werden. Die Regierung Bush will jedoch an ihrem bisherigen Weg festhalten. Bei einem der beiden Angeklagten hat es sich um einen Kindersoldaten gehandelt, der als 15jaehriger in Afghanistan gekaempft hat.
In Guantanamo gibt es zur Zeit ungefaehr 380 Gefangene, mehr als fuenf Jahre werden die meisten bereits festgehalten. Doch kein einziger dieser nach Ansicht der Regierung Bush hochgefaehrlichlichen Terroristen wurde bisher rechtskraeftig verurteilt. Und dabei wird es vorlaeufig auch bleiben. Denn der Militaerrichter hat die beiden einzigen zur Zeit laufenden Verfahren in Guantanamo niedergeschlagen. Das Gericht befand, es sei nie festgestellt worden, dass es sich bei den Angeklagten tatsaechlich um illegale Kaempfer handelt. Ein schwerer Rueckschlag fuer die Regierung Bush, die seit Jahren versucht ein eigenes Militaergerichtssystem fuer Guantanamo aufzubauen. Die beiden Gefangenen, Omar Kadr, ein heute 20 jaehriger kanadischer Staatsbuerger und einstiger Kindersoldat der Taliban sowie Salim Hamdan, angeblich der Fahrer Osama bin Ladens, werden deshalb nicht freikommen. Wie die anderen Gefangenen von Guantanamo bleiben sie im rechtsfreien Raum. Das Pentagon wird nach anderen juristischen Wegen suchen, Anklage zu erhaben. Aber auch die vom Militaer gestellten Richter und Verteidiger koennen Guantanamo mit ihrem Rechtsempfinden nicht in Einklang bringen, und das amerikanische Militaerrecht gibt ihnen die Moeglichkeit diese Zweifel auch geltend zu machen. Hunderte Gefangene sind in den vergangenen Jahren ohne viel Aufsehen aus Guantanamo freigelassen worden. David Hicks, ein australischer Mitkaempfer der Taliban, kann nach einem Schuldgestaendnis seine Strafe in Australien absitzen. Wie es fuer die verbleibenden Gefangenen juridisch weitergehen wird ist unklar. Das Weisse Haus kritisierte die Richterentscheidung, betont jedoch , dass die Legitimitaet der Militaergerichtsverfahren nicht grundsaetzlich in Frage gestellt wurde. Moeglicherweise muss sich jetzt wieder der Kongress mit der Situation in Guantanamo auseinandersetzen.

 

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