Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Guantanamodebatte - Gates will zusperren, AJ, 23.3.2007

Amnesty International hat das Gefangenenlager von Guantanamo polemisch als den "Gulag unserer Zeit" bezeichnet und selbst die engsten Verbuendeten der USA haben immer wieder die Schliessung des umstrittenen Gefaengnisses gefordert. 380 Terrorverdaechtige werden auf dem US-Militaerstuetzpunkt auf Kuba seit 5 Jahren festgehalten. Die Zweifel an Sinn und Rechtmaessigkeit von Guantanamo haben laut New York Times jetzt auch die hoechste amerikanische Fuehrungsspitze erreicht: Verteidigungsminister Robert Gates will Guantanamo zusperren, ist damit aber bei George Bush nicht durchgekommen.
Von den ersten Wochen seiner Amtszeit an ist Robert Gates, der neue Verteidigungsminister, nach Informationen der New York Times das heisseste Eisen der amerikanischen Antiterrorpolitik angegangen: Guantanamo sei so schnell wie moeglich zu schliessen, habe der Pentagonchef um die Jahreswende in den internen Debatten um die Jahreswende urgiert. Den Gefangenen muesste auf amerikanischem Boden der Prozess gemacht werden. Das sei der einzige Weg, den Schaden in Grenzen zu halten, den das umstrittene Lager auf Kuba fuer das weltweite Image der Vereinigten Staaten bringt. Auch Aussenministerin Condoleeza Rice unterstuetzte laut New York Times diesen Vorstoss, der jedoch auf heftigen Widerstand durch Vizepraesident Dick Cheney stiess. Justizminister Alberto Gonzales, der einen wesentlichen Anteil an der Formulierung der amerikanischen Antiterrorgesetze hatte, sei schliesslich ausschlaggebend dafuer gewesen, dass der Plan aufs Eis gelegt wurde, obwohl George Bush wiederholt selbst mehrmals versichert hat, er wolle Guantanamo eigentlich am liebsten zusperren. Die New York Times glaubt nicht, dass die Diskussion um Guantanamo in der obersten amerikanischen Fuehrung damit beendet ist. Schliesslich gehoert der Gefaengniskomplex zum Pentagon, dessen Chef an den Sinn offensichtlich nicht mehr glaubt. Ein riesiges Bauvorhaben zur Errichtung eines neuen Gefaengniskomplexes auf Guantanamo um 100 Millionen Dollar hat Robert Gates auf jeden Fall bereits gestoppt.
Am kommenden Montag soll ungeachtet aller Diskussionen in Guantanamo das erste Militaergerichtsverfahren gegen den Austrialer David Hicks beginnen.

 

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