Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Guantanamoprozesse beginnen, ZiB 1, 24.8.2004


Auf dem amerikanischen Militerstuetzpunkt Guantanamo haben heute die ersten Militaergerichtsverfahren gegen vier der insgesamt 585 Gefangenen begonnen, die seit seit mehr als zwei Jahren von der amerikanischen Armee festgehalten warden. Die meisten Haeftlinge von Guantanamo wurden als Terrorverdachtige in Afghanistan festgenommen, die USA verweigern ihnen den Status von Kriegsgefangenen, was zu Protesten von Menschenrechtsorganisationen gefuehrt hat.
Im Kampf gegen den Terrorismus ist Guantanamo zu einem zweifelhaften Symbol geworden.
IN dieser Baracke muessen sich jetzt die ersten Gefangenen verantworten. Vor einer amerikanischen Militaerkommission, das hat es seit 50 Jahren nicht mehr gegeben.
Als Mitarbeiter von Osama Bin Laden sollen die Angeklagten Kriegverbrechen und weltweite Terroranschlaege geplant haben. Die Anklage sagt, der aus Jemen stammende Salim Hamdan war der persoenliche Chauffeur des Terrorchefs. Dem Austrialier David Hicks wird versuchter Mord an einem amerikanischen Soldaten in Afghanistan vorgeworfen.
Im Fall eines Schuldspruches droht den Angeklagten lebenslange Haft.
Auf diese Weise wird man auch in Zukunft Kriegsverbrechen ahnden, sagt Pentagonsprecherin Susan McGarvey
Journalisten sind grundsaetzlich zugelassen. Aber der Gerichtszeichern darf nur unkenntliche Gesichter mal, die Identitaet der Richter bleibt geheim.
Das Verfahren unter diesen extremen Bedingungen sei nicht fair, protestiert selbst Militaerverteidiger Oberst Michael Mori.
Guantanamo gilt weltweit bei vielen Juristen als ein einziger Skandal fuer den Rechtsstaat. Selbst das amerikanische Hoechstgericht hat gefunden, dass man den Gefangenen den Zugang zum amerikanischen Rechtssystem auf Dauern nicht verwehren kann. Das Pentagon versucht solche Kritiker jetzt zufrieden zu stellen. Aber die neuen Zweifel an den Militaerkommissionen, dass sie wirklich fair sein koennen, zeigen, wie schwer sich Amerika tut abzuwaegen, wo die Menschenrechte beginnen und wie weit die Antiterrormassnahmen gehen koennen.

 

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