Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Hans Peter Martin auf Partnersuche, MiJ, 10.7.2009

Die Stimmung ist aggressiver geworden im neuen Europäischen
Parlament, sagt der nun zum dritten Mal gewählte unabhängige
EU-Abgeordnete aus Österreich. Man spüre den Rechtsruck der
letzten Wahlen. Für Hans-Peter Martin selbst, dem viele
Abgeordnete seine früheren Recherchemethoden mit versteckter
Kamera übel nehmen, war der Wahlerfolg auch ein Eisbrecher:
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Das Verhältnis sehr vieler Kollegen zu mir hat sich verändert ins
Positive. Man ist viel offener geworden, und die 20, 30, mit denen
ich immer gute Gesprächskontakte habe, haben sich richtig gefreut,
dass es uns, unsere Liste wieder gibt - und zwar nicht nur einen,
sondern sogar drei von uns.
Löw Raimund (ORF)
Können Sie sich vorstellen, mit irgendeiner Fraktion anzudocken?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Ja, da muss man sich auch immer den Kontrast zu Österreich
vorstellen. Es gibt ja immer Kernfraktionen - und dann so, Sie
haben gesagt "andocken", man kann auch sagen <unverständlich>. Da
gibt es im Moment andere Fraktionen, die auf uns zukommen. Und so
wäre es zum Beispiel schön, wenn das auch wahrgenommen würde, dass
unsere Gruppe eben nicht zu den Unappetitlichen gehört hier im
Hause.
Löw Raimund (ORF)
Was meinen Sie mit unappetitlich?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Rechtsaußen.
Löw Raimund (ORF)
Von konkreten Kontakten berichtet Hans Peter Martin vor allem zur
liberalen Fraktion. Er sei zur punktuellen Zusammenarbeit
eingeladen worden, um einen möglichen Beitritt sei es ihm dabei
nicht gegangen. Die Liberalen selbst sagen, einen Vorschlag
Martins zur parlamentarischen Kooperation in Straßburg habe man
aus Skepsis gegenüber den Methoden des österreichischen
Abgeordneten abgelehnt. Auch in Österreich gebe es seit dem
Wahlerfolg neue Möglichkeiten zum Dialog - und zwar aus den Reihen
der SPÖ, berichtet Martin.
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Ja selbstverständlich - und nicht nur mit den Wählern, sondern
auch mit mir direkt. Man muss doch sehen, 1999 damals, als ich
parteifreier Spitzenkandidat der Sozialdemokraten war, gab es
sieben Mandate, 10 Jahre später gibt es wieder sieben Mandate,
allerdings nur noch vier für die traditionellen, in wichtigen
Reihen verknöcherten Sozialdemokraten und drei für die Liste
Martin. Und man sieht, dass da viele Wähler viele Gemeinsamkeiten
haben, wenn es darum geht, um die ganz große Gefahr von neuem
Nationalismus, Chauvinismus, richtigen Ausländerhass abzuwehren,
gibt es da natürlich eine ganze Menge gemeinsamer Schnittmengen,
nicht nur auf europäischer Ebene. Und das eine oder andere
Gespräch hat ja schon stattgefunden.
Löw Raimund (ORF)
Bürgermeister Häupl hat sich schon gemeldet bei Ihnen?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Der war nie so ein großer Fan von mir, der hat sich eher indirekt
an die Wähler gewandt, er hat nämlich große Sorge - aber wo man
mithelfen kann, einen Sperrriegel gegen Rechtsaußen mit zu bauen
und man über den Tisch gezogen wird, ja warum soll man das nicht
machen? Das ist doch sinnvoll.
Löw Raimund (ORF)
Neu ist für den langjährigen Einzelgänger Hans-Peter Martin auch
die Arbeit in einer dreiköpfigen Delegation. Ob es da Abstimmungen
gibt unter den Abgeordneten der Liste Hans-Peter Martin?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Ja selbstverständlich! Also zuhause sind wir schon eine
Delegation, wo es dann auch manchmal um Mehrheiten geht, wenn zwei
unterschiedlicher Meinung sind.
Löw Raimund (ORF)
Kann es auch sein, dass Hans-Peter Martin in der Minderheit
bleibt in der Liste Hans-Peter Martin?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Das kann durchaus passieren, warum denn nicht?
Löw Raimund (ORF)
Dass die Liste Martin gegen eine zweite Amtszeit für
Kommissionspräsident Barroso votieren wird, ist klar. Bei der
Abstimmung über den ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten
Jerzy Buzek als Parlamentspräsident will sich Hans-Peter Martin
enthalten.



 

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