Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Hans-Peter Martin im Interview, MoJ, 22.9.2010


Wittmann Wolfgang (ORF)
Um Hans-Peter Martin, der bei den Europawahlen vor eineinhalb
Jahren mit seiner unabhängigen Liste überraschend gut
abgeschnitten hat, ist es in den letzten Monaten auffällig ruhig
geworden. Martins Fraktion im Europäischen Parlament ist von drei
auf zwei Mandate geschrumpft, weil die drittgereihte Kandidatin,
Angelica Werthmann, sich im Streit von Martin losgesagt hat. Trotz
einer Erkrankung, will Martin europapolitisch weitermachen, sagt
er im Interview mit Raimund Löw.
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Es geht so auf und ab. Wobei ich mittlerweile meine Krankheit so
unter Kontrolle hab, dass ich nicht nur im Parlament sehr fleißig
sein kann, sondern auch wieder verschiedene Initiativen setzen
kann und setzen werde.
Löw Raimund (ORF)
In den letzten Monaten ist Europa erschüttert worden durch die
Griechenland-Krise, durch die Schuldenkrise und in der Gruppe
Hans-Peter Martin hat man sich hauptsächlich mit internen
Auseinandersetzungen beschäftigt. Was ist da falsch gelaufen?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Das stimmt nicht. Ich bin gesundheitlich angeschlagen, ausgelöst
durch einen wirklich unglaublichen Vertrauensverrat, den
Wählerinnen gegenüber und den Wählern von der Frau Werthmann. Aber
gearbeitet habe ich hier. Und gerade im Bereich Finanzmarkt von
der Globalisierungsfalle her kommend, habe ich natürlich sehr,
sehr starke Überzeugung, die auch mit vielen Änderungsanträgen
eingebracht. Wir sind für eine neue Finanzmarktbehörde, neue
Behörden. Aber nicht an drei Orten. ich bin sogar dafür, dass die
auch personell aufgestockt wird. Aber nicht aus dem Bereich, von
extern neue Leute reingeholt werden, sondern, dass umgeschichtet
wird. Weil wir tatsächlich eine sehr intensive Kontrolle auf der
Finanzmarkteben brauchen,die dazu beitragen kann, zukünftige,
große Krisen zumindest rechtzeitig zu erkennen.
Löw Raimund (ORF)
Zurück zur Situation der Gruppe Hans-Peter Martin: Sie haben in
der letzten Amtsperiode des Parlaments die Frau Resetartis
verloren. Sie haben jetzt die Frau Werthmann verloren. Haben Sie
Schwierigkeiten mit Frauen zusammenzuarbeiten?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Überhaupt nicht, sondern es gibt natürlich ein Problem bei einer
so unabhängigen Bürgerliste, wie der meinen, gute Leute zu finden,
die sich das antun, in ORF-Interviews zu gehen, sich ständig
vorführen zu lassen, sich, ja, jagen zu lassen. Und ich bin sehr
zufrieden mit dem Martin Ehrenhauser, es läuft auch gut. Aber bei
der dritten haben wir ein Pech gehabt, das ist richtig.
Löw Raimund (ORF)
Sie haben in der Hitze des Gefechts gesagt, dass ihre Krankheit
ausglöst war durch die Auseinandersetzung mit der Angelica
Wertmann. War das wirklich so oder war das übertrieben?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Nein, es ist leider wirklich so. Mir ging das sehr, sehr nahe.
506 000 Wählerinnen und Wähler haben mir das Vertrauen
ausgesprochen. Es war gar klar vereinbart, dass die Angelica
Werthman als dritte auf der Liste gemeinsam mit anderen, die auch
mitgearbeitet hätten, dieses Mandat entsprechend ausübt. Sie hat
sich an gar nichts gehalten und als sie dann auch noch angefangen
hat, hier für Privilegien zu stimmen, habe ich bis zur
Selbstverleugnung geschwiegen. Es hat mir aber körperlich
überhaupt nicht gut getan. Aber ich bleibe den Wählerinnen und
Wählern im Wort.
Löw Raimund (ORF)
Sind Sie da zu wenig hart für das Politikergeschäft vielleicht?
Dass Sie das so direkt auf die, in der Gesundheit spüren?
Martin Hans-Peter (Liste Dr. Martin)
Ja, weil ich es anders versuche. Ich begreife zusehends, das wo
ich hier bin, in Brüssel, in Straßburg, ist eine große Lügenwelt.
Ergänzt durch eine sehr, sehr starke mediale Lügenwelt. und ich
habe mir zum Vorsatz gemacht ohne Lüge hier zu leben und dann
fällt man halt ständig auf die Lügen anderer Leute rein.

 

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