Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Hans- Perter Martin beschuldigt, ZiB 1, 16.4.2011

Der Streit in der Liste Martin kommt nur wenige Woche nach den Korruptionsvorwürfen gegen Ernst Strasser in der ÖVP-Delegation. Wie geschwächt ist eigentlich die österreichische Position im Europaparlament durch diese Serie von Affairen?
Das fällt schon auf in Brüssel. Es ist ja tatsächlich ein merkwürdiges Aufeinanderfolgen von Skandalen, zuerst in der ÖVP-Delegation, jetzt der Zerfall Liste Martin.
Aber vergessen wir nicht: Die österreichischen Abgeordneten treten ja nicht automatisch gemeinsam auf. Sie sitzen auch nicht zusammen, sondern in ihren jeweiligen multinationalen Fraktionen, den europäischen Christdemokraten, den Sozialdemokraten, den Grünen, dort haben die Österreicher beträchtliches Gewicht.
Dazu sagem muss man auch Die Wahlkampfkostenrückerstattung, über die so erbittert gestritten wird in der Liste Martin, das sind österreichische Gelder, die werden nach österreichischen Regeln ausgezahlt und sie müssen auch durch die österreichischen Behörden kontrolliert werden. Da sieht das Europäische Parlament keine einzige Rechnung.
Hans-Peter Martin ist jetzt nicht nur fraktionslos, sondern ohne seine Mitstreiter auf sich allein gestellt, das schränkt natürlich seine Handlungsmöglichkeiten ein.
Was bedeutet der Abgang Martin Ehrenhausers für die politische Zukunft Hans Peter Martins? Ehrenhauser ist ja der dritte Mitstreiter, der Martin verlassen hat.
Das sind schwere Beschuldigungen, noch dazu von seinem langjärhigen engsten Mitarbeiter, daran kann kein Politiker leichtfertig vorbei gehen.
Was die Substanz betrifft, wird man das Urteil der Staatsanwaltschaft abwarten müssen. Bis jetzt haben die österreichischen Prüfungsbehörden mit den Finanzabrechnungen Martins kein Problem gehabt, das muss man auch dazusagen.
Aber Hans Peter Martin ist offensichtlich nicht nur ein Einzelkämpfer, sondern auch ein Einzelgänger. Das stellt sich jetzt als große Schwäche heraus, weil er es offensichtlich nicht geschafft hat Strukturen aufzubauen, die irgendetwas mit interner Demokratie zu tun haben, mit Kontrollmöglichkeiten für die Mitstreiter.
Die Wahlerfolge Martins in der Vergangenheit, mit Hilfe der Kronenzeitung aber doch auch als Person, haben gezeigt, dass es bei Europawahlen ein Protestpotential gibt, das nicht automatisch bei der FPÖ landet. Um dieses Potential, immerhin mehrere hunderttausend Menschen wird, in der nächsten Zeit wahrscheinlich heftiger denn je geworben werden.

 

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