Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

Hektik um den Euro, ZiB 1, 8.5.2010

Spera Danielle (ORF)
In der EU jagt jetzt eine Krisensitzung die andere, morgen kommen
alle 27 Finanzminister in Brüssel zusammen. Raimund Löw in
Brüssel, warum jetzt diese Hektik, nachdem man sich mit der
Griechenlandhilfe ja monatelang Zeit gelassen hat?
Löw Raimund (ORF)
Es war wahrscheinlich ein Fehler, dass dieser
Entscheidungsprozess für Griechenland so langwierig war. Jetzt
stecken die Europäer mit ihrer Währung im Zentrum eines neuen
finanzpolitischen Hurrikanes, und das in einem Augenblick, wo man
eigentlich gehofft hat, dass die Wirtschaftskrise nachlässt.
Schlechte Nachrichten gibt es nicht nur für Griechenland, sondern
auch für andere Euro-Länder. Die Ansteckungsgefahr war noch nie so
groß, denn die Finanzlage einer ganzen Reihe von Euro-Ländern ist
fraglich. Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben
gesagt, das ist ein spekulativer Angriff auf Europa, auf den Euro
und, und da muss man Gegenmaßnahmen sehr sehr rasch ergreifen,
noch bevor das Wochenende aus ist, noch bevor in Asien die Börsen
wieder aufmachen. Denn man fürchtet, dass es dann zu massiven
Verkäufen von europäischen Staatsanleihen kommen könnte. Das will
man verhindern.
Spera Danielle (ORF)
Wie realistisch, wie erfolgversprechend wäre denn so ein neuer,
permanenter Kriseninterventionsmechanismus, der morgen da in,
durch die Finanzminister beschlossen werden soll?
Löw Raimund (ORF)
Die Rede ist von einem Euro-Stabilisierungsfonds mit 70, 80
Milliarden Euro zu Beginn. Das wäre ein riesiger Fortschritt, denn
die Europäische Kommission könnte als Regierung der EU dann
gezielt reagieren, sie könnte sehr rasch helfen ohne, dass es
diese Komplikationen gibt, die es für Griechenland gegeben hat.
Schon vor eineinhalb Jahren hat man in einer ähnlichen Weise mit
europäischen Geldern Osteuropa geholfen. Das waren Länder, die
nicht in der Euro-Zone waren - Ungarn, Rumänien - und das hat gut
funktioniert. Damals war auch Österreich sehr engagiert, weil die
österreichischen Banken ja in Osteuropa Risiken ausgesetzt sind.
Wenn man ein solches Sicherheitsnetzwerk auch für den Euro-Raum
aufbauen kann, so könnte das den Euro stabilisieren. Denn allen
sind klar: Ohne die gemeinsame europäische Währung wäre das Chaos
wirtschaftspolitisch, finanzpolitisch in Europa wahrscheinlich
noch viel viel größer.



 

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