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House Parties gegen Klimaerwaermung,
MiJ, 19.12.2006
Manche Hörerinnen und Hörer werden sich an die aus den USA kommenden
Tupperware Partys der 60er Jahre erinnern: private Einladungen von Freunden
oder Bekannten wurden zum Verkaufsevent fuer praktisches Plastikgeschirr.
Dieses Erfolgsrezept früherer Zeiten greift jetzt die amerikanische
Umweltbewegung im Kampf gegen die Klimaerwärmung auf. Im Zentrum
steht dabei die preisgekrönte Dokumentation "Eine unbequeme
Wahrheit", des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore, die der entwickelten
Welt in Sachen Treibhausgas schonungslos den Spiegel vorhaelt.
Raimund Löw hat eine solche House Party mit politischem Hintergrund
besucht.
Chuck Woolery's Haus in Rockville, etwa eine Autostunde von Washington
DC entfernt, ist leicht zu finden.
Es ist die einzige Adresse ohne die Stromintensiven Lichtspiel, die zu
Weihnachten an den Wohnhäusern in den amerikanischen Vorstädten
üblich sind.
Chuck spart Energie und an diesem Abend hat er zu einer House Party ueber
den Treibhauseffekt mit Al Gore geladen.
Mein Wohnhaus habe ich mit meinen eigenen Haenden aus Recycling Material
gebaut, erzählt der gelernte Biologe und engagierte Umweltschuetzer,
die Familie hat das genervt, aber Chuck ist sichtlich stolz.
Der Gastgeber ist Aktivist der linksliberalen Organisation Move On. Zu
2000 solcher House Partys in allen Teilen der USA hat Move On an diesem
Abend geladen.
Wir werden heute ein paar Leserbriefe verfassen, unsere Kongressabgeordnete
werden wir an schreiben und schauen, dass wir Energie tanken. Hoffentlich
wird uns das helfen, ein bischen besser organisiert zu sein.
Die meisten Gaeste sieht Chuck Woolery zum ersten Mal, sie sind via Email
eingeladen worden.
Ich war immer sehr besorgt ueber die Klimaerwaermung, erzaehlt die Zoologin
Laura Waterman, aber wir hier sind nicht typisch. Viele von uns sind bei
Mitglieder von Basisorganisation, daher wissen wir von solchen privaten
Filmvorfuehrung.
Die meisten der Anwesenden haben Al Gores Dokumentation ueber den Treibhauseffekt
schon gesehen. Nicht nur im linksliberalen Umfeld, auch in konservativen
Schulen und evangelikalen Kirchengemeinden wird darueber heftig diskutiert.
Noch nie ist in den USA eine so breite Debatte ueber die Klimaerwaermung
ausgeloest worden, wie durch das Engagement des ehemaligen Vizepraesidenten
und seine Botschaft, dass nur der politische Wille fehlt, um etwas gegen
die unwiderrufliche Gefaehrdung unseres Planeten zu unternehmen.
Gegen 9 am abend ist Al Gore auch selbst am Telefon, in einer Konferenzschaltung
zu 8600 ueber den ganzen Kontinent verstreuten Teilnehmern.
Ich bin zu Hause in Tennesse, mit meiner Frau Tipper, sagt Gore, das wichtigste
ist es für uns die Jugend zu gewinnen. Wir brauchen eine neue Massenbewegung.
Carol aus Indianapolis bitte den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten
via Email, er soll doch kandidieren bei den naechsten Praesidentschaftswahlen.
Gore bedankt sich, eine neuerliche Kandidatur plant er nicht. Ich verfolge
jetzt eine andere Art von Kampagne, die Menschen moechte ich ueberzeugen,
und das wird auch die Politiker veraendern.
Vor allem im evangelikalen Flügel des konservativen Lagera sei es
zu einem echten Umschwung in Richtung Klimaschutz gekommen, das laesst
hoffen.
Gott schuetze Euch, Machen wir weiter so.
Gastgeber und Move On Aktivist Chuck Woolery ist zufrieden: der Abend
der House Partys gegen die globale Erwärmung hat amerikaweit die
größte Mobilisierung der umweltbewussten Basisbewegung seit
langem gerbacht.
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