Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Inzko muss warten, MiJ, 3.3.2009


Unklarheiten gibt es nach wie vor über die Person des zukünftigen Hohen Beauftragten für Bosnien und die Herzegowina. Eine Art Prokonsul der internationalen Gemeinschaft, der verhindern soll, dass der Nationalitätenhass zwischen Bosniern, Kroaten und Serben neuerlich explodiert. Vorgesehen für diesen für den gesamten Balkan wichtigen Job wurde von der EU der österreichische Diplomat Valentin Inzko. Auch vor zehn Jahren hatte mit Wolfgang Petritsch bereits ein Österreicher diese Funktion. Aber jetzt lässt die Zustimmung der USA zum EU-Kandidaten Inzko auf sich warten. In bosnischen Zeitungen ist von einer ernsten Meinungsverschiedenheit zwischen den Europäern und der Regierung Obama die Rede.
Eine Woche ist es her, da sah alles nach einer raschen Entscheidung aus. Ohne lange Diskussionen verständigten sich die EU-Außenminister auf einen hohen österreichischen Diplomaten als neuen internationalen Bosnien-Beauftragten. Valentin Inzko, der österreichische Botschafter in Ljubljana, begann die Koffer zu packen für den neuen Job. Aber was ursprünglich wie eine reine Formalität aussah, die Zustimmung Washingtons, droht jetzt zur ersten Verstimmung zwischen der Europäischen Union und der neuen amerikanischen Regierung zu führen. Denn das formelle O.K. der USA lässt nämlich noch immer auf sich warten.
Der Bosnien-Beauftragte ist nicht nur ein Vertreter der EU, sondern auch sogenannter Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen mit der Vollmacht, Minister abzusetzen und Gesetze zu blockieren. Neben den Europäern entscheiden auch die USA, Russland und die Türkei als Garanten des bosnischen Friedensabkommens mit.
Und in den USA gibt es gewichtige Stimmen, die statt eines kundigen Diplomaten aus einem Kleinstaat, lieber ein politisches Schwergewicht aus einem der großen EU-Staaten in Sarajewo sähen. Schließlich brauen sich dunkle Gewitterwolken über dem schwächlichen Ministaat zusammen, die serbische Teilrepublik geht immer stärker auf separatistischen Kurs. In einer bosnischen Zeitung heißt es, die USA würden den Briten Paddy Ashdown ins Spiel bringen, der schon einmal Hoher Repräsentant war und in dieser Funktion wiederholt von seinen Vollmachten Gebrauch machte.
Offiziell bestätigen will das niemand. Aber auch im persönlichen Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton konnten weder Außenkommissarin Ferrero-Waldner noch der tschechische EU- Ratsvorsitzende Schwarzenberg Klarheit bekommen. Als ein Grund für die perinliche Verzögerung sieht man in Brüssel auch den Führungswechsel im State Department. Der für Europa zuständige Unterstaatsekretär Dan Fried ist ein Mann des alten Regimes. Dafür hat Richard Holbrooke, der Architekt des Dayton-Abkommens, wieder viel zu sagen.
Für die Europäer wäre ein amerikanisches Nein zu ihrem Kandidaten Valentin Inzko ein ziemlicher Rückschlag. Denn eigentlich wollte man die gesamte Konstruktion des Hohen Repräsentanten 13 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton zugunsten eines reinen EU-Vertreters abschaffen. Der Balkan ist ja das wichtigste Parkett für die EU-Außenpolitik.
Aber auch die amerikanische Regierung muss sich überlegen, ob sie sich gegen einen einhellig bestellten EU-Kandidaten, der fachlich unbestritten ist, wie Valentin Inzko, wirklich querlegen will. Trotz der unerwarteten Verzögerung sind die Europäer optimistisch, dass schließlich auch die Regierung Obama dem österreichischen Diplomaten ihr Vertrauen aussprechen wird. Zieht sich die Nachdenkphase in Washington allerdings weiter in die Länge, dann droht politischer Schaden sowohl für den Kandidaten als auch für das Amt des internationalen Bosnienbeauftragten selbst.

 

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