Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irakdebatten im Weissen Haus, MoJ, 18.12.2006


Erst nach dem Jahreswechsel moechte George Bush seine neue Irakpolitik der amerikanischen Bevoelkerung vorstellen. Neben der unabhaengigen Untersuchungskommission unter Jim Baker und Lee Hamilton hat der Praesident auch zum Teil weit auseinandergehende Vorschlaege aus den zustaendigen Ministerien und von den Generaelen vor Ort erhalten. In welche Richtung George Bush tatsaechlich gehen will ist zur Zeit das am besten gehuetetste Geheimnis in Washington.
BEITRAG:
Nur eines laesst sich aus den bisherigen Wortmeldungen aus dem engsten Kreis um George Bush mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen: fuer die wichtigsten Neuerungsvorschlaege der Kommission um James Baker, die die Lage im Irak durch eine grossangelegte diplomatische Offensive auch gegenueber geschworenen Feinden wie dem Iran und Syrien entschaerfen will, hat der Praesident herzlich wenig uebrig. Nach Informationen der New York Times geht es bei den Diskussionen hinter den Kulissen vor allem um zwei Alternativen: Dick Cheney, der Vizepraesident moechte im drohenden irakischen Buergerkrieg angeblich ohne viel Wenn und Aber auf einen Sieg der Mehrheitsallianz von Schiiten und Kurden setzen. Die sunnitische Volksgruppe, aus der die meisten Fuehrungskader Saddam Husseins gekommen sind, sei so stark von der fundamentalistischen Aufstandsbewegung beeinflusst, dass die Sunniten sowieso fuer Amerika verloren sind. Die Gegenposition zu Dick Cheney vertritt laut New York Times das Aussenministerium unter Condoleeza Ri
ce, das auf die sunnitische Mehrheit in den meisten proamerikanischen arabischen Staaten hinweist. Angeblich moechte das State Department die Regierung Maliki zu einem Bruch mit den radikalen Schiitenmilizen draengen, um dafuer eine Allianz mit gemaessigten Sunniten zu ermoeglichen. Saudi Arabien soll eine derartige Annaeherung der irakischen Sunniten an die schiitisch gefuehrte Regierung in Bagdad unterstuetzen. Dafuer wuerde Condoleeza Rice den Saudis eine Wiederbelebung des israelisch-palaestinensischen Verhandlungsprozesses versprechen, so spekuliert die New York Times. Feste Positionen seien das alles keine warnt das Blatt, eher handle es sich um eine Momentaufnahme in einem noch nicht abgeschlossenen Diskussionsprozess.
Fuer ziemlich wahrscheinlich halten mehrere amerikanische Medien, dass sich George Bush zu einer kurzfristigen Erhoehung der amerikanischen Truppenzahl im Irak durchringen wird. Ganz im Gegensatz zu den Hoffnungnen der amerikanischen Oeffentlichkeit auf einen baldigen Abzug. 20 000 zusaetzliche Soldaten haetten die Generaele empfohlen, das wuerde es leichter machen die Hauptstadt Bagdad wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Frage sei jetzt nur noch, woher genau diese Soldaten kommen sollen und wie eine solche Aufstockung bezahlt werden kann.

 

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