Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irakdiskussion nach verschobener Verfassung, MiJ, 17.8.2005

Waehrend Wochen hatten amerikanische Regierungevertreter gedraengt, die Termine zur Verabschiedung einer neuen Verfassung in Bagdad muessten unbedingt eingehalten werden. Selbst die kleinste Abweichung bedrohe den fragilen politischen Stabilisierungsprozess.
Doch jetzt, nachdem letzen Montag die Frist ohne den erhofften Kompromiss verstrichen ist, beruhigt Amerikas neuer Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad:
Er persoenlich sei enttaeuscht, aber eine Verfassung ist ein historisches Dokument, wenn die Suche nach Kompromissen etwas laenger dauert, dann koenne das durchaus Sinn machen.
Und auch Aussenministerin Condoleeza Rice sieht ploetzlich Vorteile in der Verschiebung.
Alle Iraker, ob Schiiten, Sunniten oder Kurden tragen zu den Fortschritten auf dem dem Weg zur Verfassung bei.
Vor allem zwei Punkte sind zwischen Parteien und Volksgruppen, Schiiten, Kurden und Sunniten heftig umstritten: die Rolle des Islam und die regionale Autonomie, die vor allem den Kurden ein grosses Anliegen ist.
Dass man auch nach wochenlangem Tauziehen keine Loesung gefunden hat, laesst die New York Times vor der Gefahr einer endgueltigen politischen Sackgasse warnen. Der Irak ist auf dem besten Weg zum islamischen Gottesstaat George Bushs zu werden, aetzen die liberalen Kritiker des Praesidenten. Die amerikanischen Soldaten, die nach offizieller Darstellung gekommen sind um dem Irak die Demokratie zu bringen, haetten in Wirklichkeit der islamischen Rechtssprechung der Scharia Tuer und Tor geoeffnet.
Joseph Biden, ein prominenter demokratischer Senator, kritisiert, in Washington haette es in den vergangenen Monaten keine klare Linie zur irakischen Verfassungsdiskussion gegeben.
Wir haben eine Chance nach der anderen verspielt. Das ist frustrierend, und es macht es schwer diese Regierung zu unterstuetzen.
Tatsaechlich ist die Galgenfrist, die sich das irakische Parlament zu einem Verfassungsbeschluss gegeben hat, auch fuer die amerikanische Politik von entscheidender Bedeutung. Denn immer weniger Amerikaner unterstuetzen die Irakpolitik der Regierung. Dem Praesidenten, der keine Wahlen mehr schlagen muss, mag das nicht so wichtig sein. Aber seine republikanische Partei sieht mit Sorge den Kongresswahlen im Herbst 2006 entgegen. Statt Gewalt und Terror im Irak wuerde man den amerikanischen Waehlern bis dann gerne ein Land praesentieren, das sich stabilisiert und das auch bei einem beginnenden Rueckzug amerikanischer Truppen nicht im Chaos versinkt.

 

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