Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irakkrieg zu Ende, ZiB 1, 16.4.2003

Vor genau acht Tagen haben die amerikanischen Panzer das Zentrum von Bagdad erobert. Jetzt sind die Kampfhandlungen beendet, der Oberkommandierende Tommy Franks kann seine Stellung beim Central Command verlassen. Er besucht die eroberte Hauptstad ohne Triumphgehabe, aber doch als siegreicher Feldherr. Das klare Signal: Die Allierten haben nach knapp vier Wochen ihre Kriegsziele erreicht. Der Irak konnte nur das militärische Widerstandspotential eines schwachen Drittweltstaates aufbringen. Kaum zu glauben, dass er als große Gefahr für den Weltfrieden angesehen wurde. Massenvernichtswaffen, die ja der offizielle Kriegsgrund waren, konnten oder wollten die Generäle Saddam Husseins nicht zum Einsatz bringen. Die Beseitigung dieses Regimes war ein Akt der Befreiung, trotz der vielen Opfer und der großen Zerstörungen. Die Tore der Gefängnisse haben sich seither geöffnet. Die große Angst, mit der die Menschen Jahrzehntelang niedergehalten wurde, ist geschwunden. Die Iraker wagen es auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Noch vor zehn Tagen wäre das undenkbar gewesen. Dass es dabei auch zu tödlichen Schüssen von amerikanischer Seite kommt zeigt, wie extrem schwierig die Situation für die neuen Herren nun ist. Aber noch haben die USA die Chance die Bevölkerung für einen Neubeginn zu gewinnen. Denn bei allem Antiamerikanismus hat die Vielfalt der amerikanischen Demokratie eine starke Ausstrahlungskraft, auch in der arabischen Welt. Ob demokratische und prowestliche Politiker ihre Chancen wahren können, das wird auch davon abhängen, wie genau die Karten im Nahen Osten neu gemischt werden. Eine faire Friedensregelung zwischen Israelis und Palästinensern würde die Radikalisierung bremsen.Ein zusätzliches Showdown gegen Syrien oder den Iran dagegen könnte islamischen Fundamentalisten Auftrieb geben. Amerika hat im Irakkrieg die überlegene Schlagkraft seiner Streitkräfte bewiesen. Und George Bush ist bereit, diese militärische Überlegenheit auch weiter einzusetzen um politischen Druck auszuüben. Das ist eine Realität, die heute wohl auch den in Athen versammelten Europäern bewußt ist. Die Welt muss sich mit Ende des Irakkrieges auf eine neue internationale Situation einstellen.

 

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