Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irakkommission - Republikaner streite, MiJ, 12.12.2006

Nachdem vergangene Woche die Studiengruppe des ehemaligen Aussenministers Jim Baker ihren alarmierenden Irakbericht vorgelegt hat, arbeitet Praesident Bush an einer Umformulierung seiner Irakstrategie. Gestern liess sich der Praesident im State Department informieren, fuer heute ist eine Videokonferenz mit den kommandierenden Generaelen im Irak geplant. Um die Vorschlaege der unabhaengigen Baker-Kommission ist inzwischen ein heftiger politischer Streit entbrannt.
Eigentlich wollte die streng paritaetisch aus 5 Republikanern und 5 Demokraten zusammengesetzte Untersuchungskommission helfen, das in der Frage des Irakkrieges zutiefst geteilte Land zu einen. Aber im Augenblick scheinen die Graeben selbst innerhalb der grossen Parteien nur noch tiefer zu werden. Vor allem die republikanische Rechte hat nach einer ersten Schrecksekunde mit einem richtiggehenden Sperrfeuer gegen die Vorschlaege begonnen. "Idiotisch" nennt der prominenten Radio-Talkshowmaster Rush Limbaugh den Bericht. "Absurd" sei es, was die Elder Statesmen da ausgeheckt haben, unkt der neokonservative ehemalige Pentagon Vordenker Richard Perle. Besonders Bakers Idee, mit dem Iran und Syrien zu verhandeln, ist den Neokonservativen ein Dorn im Auge. Wo ist der Beweis, dass die beiden Nachbarstaaten gewillt sein koennten den USA aus der Krise zu helfen, wundert sich Perle. Und das vom Praesidenten angestrebte Ziel, in der despotischen arabischen Welt repraesentative Demokratien einzufuehren, sei nicht einmal erwaehnt worden.
Die groessten politischen Wellen schlaegt jedoch er harte Schlagabtausch zwischen Jim Baker und Senator John McCain, der als aussichtsreichster republikanischen Kandidat fuer die Praesidentschaftswahlen 2008 gilt. McCain verlangt die Zahl der amerikanischen Soldaten im Irak massiv hinaufzusetzen. Der angesehene Senator, ein Vietnamkriegsveteran, hat in der Vergangenheit stets Distanz zur Irakpolitik der Regierung gewahrt. Doch jetzt geht ihm der Siegeswille ab in der duesteren Bestandsaufnahme von James Baker und seinem demokratischen Kovorsitzenden Hamilton.
Der schrumpfende pragmatische Fluegel der Republikaner fuehlt sich dagegen bestaetigt. Senator Chuck Hagel aus Nebraska, will einen moeglichst genauen Abzugsplan. Nur das entspreche dem Waehlerwillen der Amerikaner. Gordon Smith aus Oregan, bisher ein treuer Gefolgsmann Bushs, nennt jetzt die Fortfuehrung des bisherigen Irakkurses als "kriminell".
Es ist eine Auseinandersetzung, die wohl nicht so bald verschwinden wird. Die New York Times sieht bereits die Geschlossenheit der Republikaner im Praesidentschaftswahlkampf 2008 in Gefahr.
Auch bei den Demokraten sind die Reaktionen ganz unterschiedlich. Senator Joe Lieberman etwa, ein Irakkrieg-Befuerworter, lehnt eine diplomatisch Offensive gegenueber dem Iran und Syrien entschieden ab. Kriegsgegnern unter den Demokraten sind die Abzugsplaene wieder zu vage. Vereinzelt hoert man auch Playdoyers, dem Praesidenten den Geldhahn fuer den Irak doch endlich zudrehen. Die Spitzen der Partei halten sich bedeckt, fordern aber allgemein vom Praesidenten eine Umsetzung des Berichts.
Verantwortlich fuer die Irakpolitik bleiben jedoch George Bushs Republikaner. Bei Ihnen tobt der Meinungsstreit daher auch am heftigsten.

 

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