Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Iranische Nuklearplaene, ZiB 24, 10.4.2007

Unternimmt die UNO angesichts der neuen iranischen Nuklearankuendigungen?
Die UNO hat in der Auseinandersetzung mit dem Iran nie Schnellschuesse abgegeben.
Aber es hat sich trotzdem im Sicherheitsrat ein Mechanismus eingespielt, der ziemlich einzigartig ist: nach einem Sanktionenbeschluss gibt es jedes Mal eine 60 Tagesfrist.
Wenn sich danachnichts aendert, dann werden die Sanktionen verschaerft und eine neue 60 Tagesfrist beginnt zu laufen.
Auf diese Weise ist die Einstimmigkeit des Sicherheitsrates ist bisher erhalten geblieben. Auch Dritte Weltstatten und Islamische Staaten haben bisher zugestimmt.
Das ermoeglicht es den USA weiter zu gehen, etwa indem amerikanische Banken auf Druck der Regierung den Geldfluss in den Iran immer schwieriger machen.
Das ist nicht unbedingt spektakulaer, aber hat bisher dazu beigetragen, dass der Kurs von Ahmedinejad auch im Iran in Frage gestellt wird.
Wieso die USA diesmal gegenueber Ahmedinejad ziemlich anders agieren als seinerzeit gegenueber Saddam Hussein?
UNO-Fan ist George Bush sicher keiner geworde.
Aber die USA im Irak erlebt, was es auch fuer eine Supermacht heisst, im Alleingang zu agieren, was fuer einen Preis man da zahlt.
Ein neuer Alleingang gegen den Iran waere fuer die Regierung ein grosses Risiko, sowohl im Inneren als auch international.
George Bush hat in seiner zweiten Amtszeit eine Kurskorrektur vorgenommen, er versucht wieder mehr multilateral zu agieren.
Das zeigt sich auch an Iranpolitik im Sicherheitsrat.
Ob die Zeit der militaerischen Drohungen jetzt vorbei ist?
Im Augenblick sind die militaerischen Drohungen in den Hintergrund getreten.
Aber das heisst nicht, dass sie voellig vom Tisch sind. Zwei amerikanische Flugzeugtraeger sind nach wie vor im Golf, mit einer ganzen Flotte von Kriegsschiffen.
George Bush betont, dass er wirtschaftliche und diplomatische Druckmittel einsetzen will, aber die amerikanische Supermacht will sich immer alle Optionen offen lassen.

Die neokonservative Gruppe, die eine Totalkonfrontation fuer unvermeidlich haelt, und die immer wieder die Moeglichkeit von Luftangriffen zur Diskusson stellt, das sind die gleichen Leute, die auch fuer den Irakkrieg die Trommel geruehrt haben.
Angesichts des Debakels im Irak tun sie sich natuerlich ein bisschen schwer in ihrer Argumentation. Die Antikriegsstimmung ueberwiegt zur Zeit in der amerikanischen Oeffentlichkeit.
Aber die Diskussion um Bombardierung der Atomanlagen, von Besetzung ja keine Rede, kann sicher wieder kommen, wenn man das Gefuehl hat, das alle anderen Schritte erfolglos sind.
Dass die USA irgendwann einmal eine iranische Atommacht akzeptieren werden, das wuerde ich zwar nicht total ausschliessen, aber Anzeichen gibt es bisher zumindest dafuer keine.


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann