Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Irankrise eskaliert, MoJ, 13.2.2007

Beweise fuer die iranische Unterstuetzung irakischer Aufstaendischer wollte das Pentagon schon seit langem vorlegen. Aber zuerst mussten Verteidigungsministerium, Aussenministerium und Weisses Haus eine gemeinsame Interpretation finden, die Veroeffentlichung zoegerte sich hinaus. Man weiss gut, wie heikel es nach dem Geheimdienstdebakel um die inexistenten irakischen Massenvernichtungswaffen ist, Anklagen auf Grund von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zu erheben. Die Pressekonferenz anonymer amerikanischer Experten in Bagdad vom Wochenende, bei der Bombenbestandteile praesentiert wurden, die aus dem Iran kommen sollen, war dann auch um vieles weniger spektakulaer, als offensichtlich urspruenglich geplant.
In Washington herrscht auf jeden Fall grosses Raetselraten, wie weit der gegenwaertige amerikanische Konfrontationskurs gegen die Islamische Republik noch gehen kann. Ein Angriff gegen den Iran waere ein katastrophaler Fehler, liest man in der New York Times. Aber es waere nicht der erste katastrophale Fehler, dieser Regierung.
Unbestreitbar ist, das sich seit ein paar Wochen der Ton gegenueber Teheran drastisch verschaerft hat. Der Praesident hat Kriegsschiffe samt einem zweiten Flugzeugtraeger in die Region geschickt. Den Truppen im Irak gab George Bush den Befehl auf iranische Agenten zu schiessen, die den Aufstaendischen helfen. Bis heute sind jene angeblichen iranischen Diplomaten noch immer in Haft, die in einer Kommandoaktion im kurdischen Erbil vor ein paar Wochen festgenommen wurden.
Dazu kommt, dass Ende Februar das Ultimatum des Sicherheitsrates auslaeuft, mit dem der Iran dazu gebracht werden sollte die umstrittene Urananreicherung zu beenden. Robert Gates, der Verteidigungsminister, versichert zwar, die USA haetten keinen Angriff auf den Iran vor. Aber gleichzeitig wollte Washington die Anwendung militaerischer Gewalt nie ausschliessen. Aus dem Amt von Vizepraesident Dick Cheney, der als Harliner gilt, heisst es gar, 2007 werde das Jahr der Irankrise sein.
Im amerikanischen Fernsehen laufen Webespots in denen der iranische Praesident Ahmedinejad mit Adolf Hitler verglichen wird. Im Zusammenhang mit den iranischen Drohungen gegen Israel ist von der Gefahr eines neuen Holocaust die Rede. Militaerische Hardliner sowohl in Israel als auch in den USA argumentieren, Bombenangriffe gegen iranische Atomanlagen koennten das iranische Atomprogramm so nachhaltig zurueckwerfen, dass man die damit verbundenen Risiken in Kauf nehmen soll.
Selbst wenn es sich bei dem juengsten amerikanischen Saebelrasseln um reine Drohgebaerden: Wenn amerikanische und iranische Waffensysteme einander gegenueber stehen, koennen auch unbeabsichtige Zwischenfaelle folgenschwere Konsequenzen haben. Selbst dann, wenn die Regierung tatsaechlich keinen Krieg wuenscht, wie George Bush erst gestern wieder beteuerte.
Scary Movie 2, fasst Paul Krugman in der New York Times die Aengste der Bushkritiker zur amerikanischen Iranpolitik zusammen, Gruselfilm Folge Nummer zwei.

 

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