Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Iransanktionen umstritten, MiJ, 29.1.2009

Ein neues Herangehen an den Iran, das ist eine der vielen Erwartungen, die an die Adresse der Administration Obama in Washington gerichtet ist. Die USA wollen Gespräche mit dem Regime in Teheran nicht mehr ausschließen. Gleichzeitig zeigte sich Barack Obama während des Wahlkampfes entschlossen, eine nukleare Bewaffnung der Islamischen Republik zu verhindern. Auch in der Europäischen Union ist jetzt eine Diskussion um die Iranpolitik ausgebrochen, berichtet aus Brüssel Raimund Löw.
Österreich, Portugal, Schweden und eine Handvoll anderer kleiner bis mittelgroßer EU-Staaten, die unterstützt von Spanien einen ausdrücklichen Wunsch der drei Großen Frankreich, Großbritannien und Deutschland blockieren. Das gibt es recht selten in der Europäischen Union. Aber hinter den Kulissen ist in der EU ein heftiges Tauziehen um den zukünftigen Kurs gegenüber der Islamischen Republik Iran im Gange.
Vor allem Frankreich, Großbritannien und Deutschland, die in den vergangenen Jahren vergeblich versucht haben, den Iran auf Verhandlungswege von seinem Atomprogramm abzubringen, wollen das Sanktionsregime der EU drastisch verschärfen. Die Europäer sind bisher weitgehend den Vorgaben des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gefolgt. Aber dort haben China und Russland ein Vetorecht. Die bisherigen Vorstöße der USA zu einer Verschärfung blieben in der Weltorganisation erfolglos.
Vor allem Nicolas Sarkozy, der französische Staatspräsident, wollte die EU noch vor den ersten Schritten einer neuen amerikanischen Iranpolitik auf härtere Sanktionen einschwören. Die Argumentation Frankreichs: wenn die Regierung Obama sieht, dass Europa es mit ökonomischen Boykottmassnahmen ernst meint, dann könnten die USA leichter von möglichen militärischen Schritten abgehalten werden, sollten Verhandlungen scheitern.
Aber zu einer Liste von mehr als zwei Dutzend iranischen Banken und Firmen denen jede Aktivität auf europäischen Boden untersagt werden sollte, sagte eine starke Minderheit innerhalb der EU nein. Darunter auch Österreich. Griechenland, Zypern und Spanien, die ebenfalls zu den Bremsern gehören, wollen grundsätzlich den Dialog mit Teheran nicht erschweren. Österreich fürchtet, dass zusätzliche Sanktionen in Richtung eines umfassenden Handelsembargos gehen würden, das keineswegs durch UNO-Beschlüsse gedeckt ist. Der Sicherheitsrat drängt ja auf Sanktionen gegen iranische Einrichtungen, die mit dem Atomprogramm zu tun haben, nicht automatisch gegen alle iranischen Firmen.
Die jüngste Gaskrise verleiht dem Disput eine zusätzliche Dimension. Denn Gas aus dem Iran wäre eine mögliche Alternative zu den unsicheren Lieferungen aus Russland. Wenn da nicht die großen politischen Hindernisse wären.
Tschechien fährt als Vorsitzland der EU einen ausgeprägt Irankritischen Kurs. Regelmäßig gibt es jetzt EU-Proteste gegen Steinigungen und andere grausame Strafmassnahmen in der Islamischen Republik. Die Debatte um einen schärferen Irankurs der EU wird daher jetzt in eine neue Runde gehen. Wobei unklar ist, ob die Regierung Obama wirklich so brennend an einer Verschärfung der europäischen Sanktionen interessiert ist. Schließlich kann man auch argumentieren, dass im Gegenteil ein Mehr an Kontakten mit dem Westen den iranischen Reformkräften helfen würde.

 

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