Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Iranverhandlungen stocken, MoJ, 9.5.2006

Der amerikanische UNO-Botschafter John Bolton ist zwar nach wie vor optimistisch, dass der Sicherheitsrat noch diese Woche die gewuenschte Iranresolution verabschieden wird, aber von einem Durchbruch beim abendlichen Aussenministergipfel in New York war bisher nichts zu erfahren. Der Widerstand Russlands und Chinas gegen einen direkten Bezug auf Artikel 7 der UNO-Charter, der den Weg zu UNO-Sanktionen ebnet, konnte vorerst nicht ausgeräumt werden. Aus diplomatischen Kreisen hört man, eine Möglichkeit bestünde darin, den umstrittenen Artikel 7 in seinen verschiedenen Unterparagrafen zu zerteilen und damit zu einer verbindlichen Resolution zu gelangen, die aber keine Sanktionen ermoeglicht. Dass muesste auch für Moskau und Peking akzeptabel sein.
Sanktionen halten die USA sowieso auch außerhalb des UNO-Rahmens für moeglich. Im Vordergrund der amerikanischen Überlegungen steht dabei eine Isolation des Iran auf finanzieller Ebene. In Washington stellt man sich das Einfrieren iranischer Staatsguthaben, die Blockade finanzieller Transaktionen und die Beschlagnahme von Konten hoher iranischer Würdenträger in westlichen Banken vor. Eine eigene Abteilung im amerikanischen Finanzministerium sammelt Daten und kann schon ersten Erfolge verzeichnen: zwei der größten Schweizer Banken haben auf amerikanischen Druck hin bereits ihre Irangeschäfte eingestellt. Für die USA selbst wären solche Finanzsanktionen umso schmerzloser, als amerikanischen Firmen der Handel mit der Islamischen Republik seit langem verboten sind. Die größten westlichen Handelspartner Teherans sind Deutschland, Frankreich und Italien.
Zum überraschenden Brief, den Irans Präsident Ahmedinejad an George Bush geschrieben hat, heisst es in Washingon nur, die international diskutierten Fragen der iranischen Atompolitik würden darin nicht beantwortet. Auf 17 oder 18 Seiten habe Ahmedinejad philosophische, religioese und historische Fragen angesprochen. Aber immerhin ist es die erste Kontaktaufnahme eines iranischen Praeisdenten mit der amerikanischen Fuehrung seit einem Viertel Jahrhundert. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in den USA langsam eine Diskussion um die amerikanische Iranpolitik in Gang kommt. Senatoren und Aussenpolitikexperten, auch aus Bushs republikanischer Partei, argumentieren, die USA sollten sich auch selbst an den Verhandlungstisch mit dem Iran setzen, statt diesen Part wie bisher den Europäern zu überlassen. Auch viele europäische Politiker sind überzeugt, dass die für den Fall des Verzichts auf Urananreicherung in Richtung Teheran gemachten Angebote nicht glaubwürdig genug sind, solange die USA im Hintergrund bleiben.

 

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