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Island will in die EU, MiJ,
18.11.2008
Die isländischen Medien
wollen es ganz genau wissen: schon Anfang
nächsten Jahres wird der kleine Inselstaat sein Beitrittsansuchen
nach Brüssel schicken, so die allgemeine Vermutung. Für die
Regierung in Reykjavik wäre das nach der Verstaatlichung der
Banken eine dramatische Kehrtwendung mehr, gehörte der
konservative Premierminister doch bislang zu den größten
EU-Skeptikern. Und auch aus Brüssel kommen positive Signale.
Island ist schon vor Jahren dem Schengen-Abkommen beigetreten, für
die meisten EU-Bürger gibt es keine Passkontrollen auf dem
Flughafen von Reykjavik. Als Teil des sogenannten Europäischen
Wirtschaftsraumes zwischen EU und Nicht-EU-Staaten in Westeuropa
hat Island zwei Drittel der EU-Gesetze übernommen ohne Mitglied zu
sein. Erweiterungskommissar Olli Rehn schätzt,
Beitrittsverhandlungen mit Island könnten um vieles schneller
abgeschlossen sein als mit anderen möglichen Kandidaten. Zu den
größten Hindernissen zählten bisher die exklusiven Ansprüche
Islands auf die Fischereirechte in den angrenzenden Gewässern, in
die europäische Fischereiflotten keinen Zugang haben. Auch der
isländische Bankenkrach hat die Beziehungen zu EU-Staaten
belastet. Großbritannien und die Niederlande blockierten
lebenswichtige Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds,
solange EU-Bürger, die ihr Geld in isländischen Banken angelegt
haben, nicht entschädigt wurden. Aber letztlich wäre auch die
EU
an einem Beitritt Islands interessiert ist, der Beitrittsexperte
Zsolt Darvas des Brüsseler Bruegel Instituts überzeugt:
<O-Ton Zsolt Darvas übersetzt von Raimund Löw> Wenn Island
Teil
der EU und des Euro wäre, dann gäbe es eine Quelle der
Unsicherheit weniger in Europa. Ein Krisenfaktor weniger, das ist
im Interesse Aller. Kunden isländischer Banken wären dann zum
Beispiel durch die europäischen Einlagensicherheitsregeln
geschützt. <Zitat Ende> Nicht sinnvoll ist aus Brüsseler
Sicht
eine vorgezogene Übernahme des Euro noch vor einem EU-Beitritt,
wie das in Island ebenfalls diskutiert wird. 2011 wäre bei
beschleunigten Verhandlungen ein realistisches Beitrittsdatum, auf
den ersehnten Euro könnte Island dann ab 2014 hoffen. Die
isländische Krone hätte ein Ablaufdatum. Ohne eine solche
Perspektive, da sind Ökonomen in Island und in der EU einig, wird
ein Neuanfang für den nordatlantischen Inselstaat kaum möglich
sein.
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