Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Island zahlt Bankschulden, MiJ, 19.10.2009

Das kleine Island hat nach wie vor mit der Bewältigung der Finanzkrise zu ringen. Heute diskutiert das Parlament in Rejkjavik ein Gesetz über die Entschädigung von Kunden in Großbritannien und den Niederlanden, die durch den isländischen Bankenkrach ihr Vermögen verloren haben. Bis ins Jahr 2024 wird die isländische Volkswirtschaft durch die Rückzahlungen schwer belastet bleiben.
Mit ihren fantastischen Zinsen lockten die isländischen Banken Kunden in ganz Europa. Hunderttausende vertrauten in den Niederlande und Großbritannien einer Tochter der angesehenen islandischen Landesbanki ihr Vermögen an. Das Modell lief blendend, solange der Strom der Einlagen nicht abriss. Die isländischen Banker präsentierten sich als selbstbewusst als die Klügsten ihrer Branche. Bis die Finanzblase platzte und der übergroße Bankensektor ganz Island in den wirtschaftlichen Abgrund riss. Ohne den Schutz des Euro war Island bankrott und Sparer in ganz Europa ihr Geld los.
Die Regierungen in London und Den Haag sprangen ein und übernahmen in Großbritannien und den Niederlanden freiwillig die Entschädigung von 320 000 Landesbanki-Kunden, die ja nicht von der Einlagengarantie der Europäischen Union geschützt waren. Jetzt verlangen sie ultimativ ihr Geld von der Regierung in Reykjavic zurück, und zwar als Bedingung dafür, dass internationale Finanzhilfe nach Island fließt.
Die neue rotgrüne Regierung in Island ist bereit in den nächsten Jahren 3, 8 Milliarden Euro an Großbritannien und die Niederlande zu zahlen. Die bankrotte Landesbanki ist längst verstaatlicht. 3,8 Milliarden Euro, das sind zwei Drittel eines isländischen Staatshaushaltes, eine riesige Summe. Bis 2024 will man den Betrag abstottern.
Für die erhoffte Erholung der isländischen Volkswirtschaft wird das über Jahre eine schwere Belastung. Dementsprechend umstritten ist das Abkommen, das heute dem Parlament in Rejkjavik vorliegt. Aber die Regierung hat wenig Spielraum: ohne Kredite des Internationalen Währungsfonds und Finanzhilfe aus der EU ist an einen Neuanfang nicht zu denken.
Nach dem Finanzkollaps des vergangenen Jahres drängt Island in die EU. Aber an die erhofften raschen Beitrittsverhandlungen mit der EU wäre nicht zu denken, würden Großbritannien und die Niederlande ein Veto einlegen.
Immerhin hat die Regierung ausgehandelt, dass die Zahlungen in die britische und niederländische Staatskasse sechs Prozent eines möglichen Wirtschaftswachstums nicht übertreffen dürfen.
Für die 300 000 Bürger Islands eine zusätzliche Hypothek auf die Zukunft, die zur düsteren Grundstimmung des Landes beiträgt.

 

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