Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Italienalarm, ZiB 2, 11.7.2011


Warum jetzt plötzlich Italien? Dass das Land enorme Schulden hat, ist ja keineswegs neu - aber Italien kann seine Schulden bis jetzt ja ohne Probleme bedienen.
Da kommt sehr viel zusammen.
Aber im Wesentlichen ist die italienische Krise ein Zeichen dafür, wie groß die Anstreckungsgefahr in Europa geworden ist.
Das hat konkrete gründe: Die italienischen Banken, die die Subprime Krise aus den USA gut überstanden haben, haben viele Staatspapiere von angeschlagenen Ländern im Tresor, sind von allen Diskussionen über mögliche Zahlungsunfähigkeit Griechenalds stark betroffen.
Aber es geht nicht nur um Italien, genauso um Spanien, um Belgien.
Darin zeigen sich die Zweifel ob die europäischen Politiker dieser Krise gewachsen sind. Ob Europa zusammenbleibt wenn Eurostaaten angegriffen werden oder man sich letzt nicht doch auseinanderdividieren läßt.
Italien ist das Opfer der politischen Unsicherheiten, wie es überhaupt weiter gehen soll mit der Europäischen Union.
Nun hat es heute immer wieder geheißen: Italien ist nicht Griechenland. Aber wenn man offiziell so gelassen ist - warum wird jetzt so intensiv darüber geredet, den EU-Rettungsschirm nochmal zu verdoppeln - auf 1.500 Milliarden Euro=
Das hat der deutsche Finanzminister Schäuble dementiert, aber völlig ausschließen kann man das nicht.
Die Zahlen sind natürlich riesig und nicht nachvollziehbar. Aber nur deshalb, weil wir immer in nationalstaatlichen Kategorien denken.
Diese Riesensummen muss man in Relation stellen nicht zu 8 Millionen Bürger oder auch 80 Millionen Bürger, in D, sondern in ein Verhältnis zu den 340 Millionen Einwohnern der Euroländer. Das sind mehr als die USA Einwohner hat, und bei den amerikanischen Finanzpaketen, da geht es um genau solche astronomischere Summen.

Das berühmte quantitative Easing der Fed belief sich auf 1000 Mrd und 600 Mrd Euro. Das sind einfach die Dimensionen großer mulitnationaler Gemeinschaften.
Der Eurorettungschirm war natürlich erfolgreich für Löschaktionen, um akute Brände zu löschen. Aber er konnte nicht verhindern, dass neue Brände überhaupt ausbrechen.
Das wäre möglich, wenn man sehr rasch zu einer Diskussion über Eurobonds kommt, also gemeinsame europäische Staatsanleihen. Von denen viele Ökonomen sagen, das würde sehr rasch der Spekulation den Wind aus den Segel nehmen und zu Stabilität auf den Finanzmärkten führen.
Bisher war Deutschland dagegen, aber vielleicht gibt es jetzt einen Ruck in diese Richtung.
Denn wenn es so weiter geht und wenn Italien wirklich ins Strudeln kommt, dann würde sehr rasch die Existenzfrage für den Euro gestellt, die Existenz des gesamten gemeinsamen Europas stünde auf dem SPiel.
Aber letztlich, wenn gar kein anderer Weg möglich ist, dann raffen sich die Europäer meisten doch auf einen Schritt mehr in Richtung Integration zu gehen.

 

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