| |
|
Karikaturenstreit und US-Reaktionen,
MiJ, 7.2.2006
Gewalttaetige Proteste gegen
Karikaturen des Propheten Mohammed haben in den letzten Tagen zu heftigen
Spannungen zwischen den europaeischen Regierungen und Vertretern der islamischen
Welt gefuehrt. Angesichts der Angriffe auf EU-Botschaften in Damaskus,
Beirut und Teheran hat sich die amerikanische Regierung mit den Europaeischen
Partner solidarisiert. Aber inhaltlich wird die Kontroverse in den USA
mit deutlich anderen Akzenten diskutiert, als in Europa, berichtet aus
Washington Raimund Loew
Manchmal hat es fast den Anschein, als ob man in den USA richtiggehend
erleichtert sei, dass einmal Europa und nicht Amerika in der islamischen
Welt das Ziel gewalttaetiger Angriffe ist. Wir haben volles Verstaendnis
dafuer, dass Moslems diese Karikaturen als beleidigend ansehen, beteuert
der Pressesprecher des Weissen Hauses. Antislamische Aeusserungen seien
genauso unakzeptable wie antisemitische Darstellungen. Aber es gibt eben
Pressefreiheit, argumentiert das Weisse Haus. Auch berechtigte Proteste
muessen friedlich bleiben, die Gewalt der letzten Tagen verurteilt die
amerikanische Regierung entschieden.
Die meisten amerikanischen Medien, darunter auch bekannte Blaetter wie
die Washington Post oder die New York Times, haben sich bisher dagegen
entschieden, die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed nachzudrucken.
Ein Sprecher der amerikaweiten Presseagentur Associated Press meinte,
genauso wenig wie wir unflaetige Worte transportieren oder obszoene Bilder
zeigen, verbreiten wir blasphemische Zeichnungen. In der Washington Post
wundert sich ein Kommentator ueber das in Europa haeufig vorgebrachte
Argument, das Nachdrucken der Karikaturen sei eine Verteidigung der Pressefreiheit.
Schiesslich komme in Amerika doch auch niemand auf die Idee, die Abbildung
rassistischer Stereotypen als besonders mutigen Schritt darzustellen.
An der angesehenen Journalismusschule der Universitaet von Missouri weißt
man auf die unterschiedlichen journalistischen Traditionen in Europa und
Amerika hin: die Meinungsfreiheit sei in den USA derart fest verfassungsmaessig
verankert, dass niemand glaubt etwas veroeffentlichen zu muessen, nur
weil es veroeffentlicht werden darf. Umgekehrt sind die Sitten im Main
Stream der amerikanischen Medien strenger als in Europa. In der multikulturellen
Welt Amerikas habe man eben gelernt die mediale Beleidigung von Minderheiten
zu vermeiden. Offen rassistische oder diskriminierende Darstellungen seien
daher Randerscheinungen. Ein Sprecher des Rates fuer Islamisch-Amerikanische
Beziehungen findet denn auch, die Presse habe sich in Amerika viel verantwortungsvoller
verhalten als in Europa.
Trotzdem begannen in den letzten Tagen auch einzelne amerikanische Medien
die Karikaturen wiederzugeben, darunter der angesehene Fernsehsender ABC,
der Philadelphia Inquirer und ein Boulvardblatt in New York. Je groesser
die Proteste wurden, desto schwieriger war es ohne die inkriminierten
Zeichnungen zu erklaeren, worum es eigentlich geht, rechtfertigt sich
ein Sprecher von ABC. Die anderen grossen Fernsehsender bleiben bei der
bisherigen Zurueckhaltung.
Die Regierung Bush appelliert jetzt an Saudi Arabien, zu helfen die Spannungen
zwischen Europa und der islamischen Welt zu verringern.
nach oben,
Fenster schließen
|