Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Katholikenstreit um Abtreibung, Morgenjournal, 27.5.2004

Victoria Reggie Kennedy, kommt aus der beruehmtesten katholischen Familie Amerikas: sie ist mit Senator Ted Kennedy, dem juengsten Bruder John F.Kennedys, verheiratet. Der Altar ist kein Schlachtfeld, mit diesem Aufruf wendet sie sich in einer heftigen Kontroverse um Religion und Politik an die amerikanische Oeffentlichkeit. Die juengsten kirchlichen Drohungen gegen katholische Politiker, die das Recht auf Abtreibung befuerworten, haetten die Katholiken Amerikas an den Rand eines gefaehrlichen Abgrundes gefuehrt, schreibt warnend die prominente Anwaeltin aus der Familie, aus der mit John F.Kennedy der bisher einzige katholische Praesident der USA hervorgegangen ist.
Denn wiederholt haben sich einige katholische Bischoefe in den letzten Wochen dafuer ausgesprochen Politiker, die in Fragen der Abtreibung oder der Homoesexuellenehe von der offiziellen Kirchendoktrin abweichende Positionen einnehmen, von der Kommunion auszuschliessen. Prominentester Betroffener war bisher John Kerry, der demokratische Praesidentschaftskandidat, dem der Bischof von St.Louis empfahl in seiner Dioezese nicht zu versuchen zur Kommunion zu gehen. Der Katholik Kerry besuchte daraufhin einen baptistischen Gottesdienst. Mehrere Bischoefe distanzierten sich von dieser harten Linie, andere sprachen sich dafuer aus.
Jetzt jedoch geht Bischof Michael Sheridan in Collorado Springs noch weiter: er dehnt denn Bann gegen liberale Politiker auch auf Waehlerinnen und Waehler aus, die diesen Politikern ihre Stimme geben. In einem Pastoralbrief an seine Glaeubigen warnt der Bischof, wer Abtreibungsbefuerworter oder Befuerworter der Stammzellenforschung waehlt, verwirkt sein Seelenheil und schliesst sich selbst aus der Gemeinschaft des Abendmahles aus.
In Colorado hat diese Stellungnahme eine heftige Diskussion ausgeloest, gehoert die Trennung von Kirche und Staat bei aller Religiositaet der amerikanischen Gesellschaft doch zu einem Fundament des politischen Systems. Aber auch bei den Demokraten in Washington laeuten die Alarmglocken: viele katholische Senatoren und Abgeordnete vertreten in gesellschaftlichen Fragen ausgepraegt liberale Positionen. Wenn ein Bischof es zur Suende erklaert, fuer sie zu stimmen, dann haette das schwerwiegende politische Folgen haben. Das prominenteste Opfer koennte im Herbst John Kerry werden, ausgerechnet der seit langem wieder erste katholische Praesidentschaftsbewerber mit echten Chancen.
48 katholische Abgeordnete, angefuehrt von der demokratischen Fraktionsvorsitzenden im Repraesentantenhaus Nancy Pelosi, haben sich daraufhin ebenfalls oeffentlich gegen kirchliche Sanktionen verwahrt, wenn ihr Abstimmungsverhalten von der Haltung der Kirche abweicht. Wir glauben nicht, dass es unsere Rolle ist, als Volksvertreter die Lehre der katholischen Kirche zum Gesetz zu machen, schreiben sie dem Erzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick. Der hat Gespraechsbereitschaft signalisiert und will die heikle Frage des Verhaeltnisses von kirchlicher Doktrin und Politik in einer eigenen Arbeitsgruppe klaeren.


 

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