Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Katrina - Folgen, Oe 1 und Oe 3, 3.9.2005



Mit ihrem ausdruecklichen Dank an all jene Staaten, die Hilfsangebote an die USA gemacht haben, will Aussenministerin Condoleeza Rice den Eindruck korrigieren, den USA sei internationale Unterstuetzung nicht wichtig. Die USA bedanken sich auch bei Oesterreich, betonte ein Sprecher gegenueber dem ORF, auf die Angebote werde man zurueckkommen, wenn klarer sei, was die Menschen am dringendsten brauchen. Auslaendischen Buergern in der Krisenregion will man ganz besonders beistehen. Das oesterreichische Aussenministerium hat seinen Krisenstab im Hotel Hilton des texanischen Houston inzwischen verstaerkt. Auch heute haben sich wieder Oesterreicher aus New Orleans kommend gemeldet, sie werden mit Hotelzimmern, wenn noetig Geld und Dokumenten versorgt. Aber noch konnten nicht alle Oesterreicher, ueber die man Bescheid weiss, die zerstoerte Stadt verlassen.
Kann Bushs Besuch etwas bewirken?
Der Besuch war symbolisch wichtig. Viele Menschen haben sich ja verlassen gefuehlt, wegen der grossen Probleme bei der Koordinierung der Katastrophehilfe, und das ist einer der Grunde fuer Ausbruch von Gewalt gewesen. Der Praesident hat jetzt klargemacht, dass die Katastrophenhilfe eine nationale Aufgabe fuer Amerika ist, und er hat versucht positiv und optimistisch zu wirken, mit dem Versprechen, dass New Orleans wieder auferstehen wird.
Ob man ihm sein Engagement glaubt, das wird davon abhaengen ob es jetzt eine wirkliche Trendwende in der Versorgung der Menschen gibt, oder ob das alles wieder nur Versprechen waren. Wenn es in drei Tagen noch immer hilflose Fluechtlinge auf den Autobahnen gibt, dann wird man das der Regierung nicht mehr verzeihen.
Wie spuerbar ist die Kritik am Versagen der Behoerden?
Bei vielen verzweifelten Menschen in New Orleans ist die Wut gross, das koennen die Amerikaner jeden Tag im Fernsehen hoeren und sehen. Politisch druecken das vor allem die afroamerikanischen Abgeordneten und Senatoren in Washington aus, die der Regierung offen vorwerfen, dass sie sich so wenig um new Orleans gekuemmert hat, weil die Beduerftigen hauptsdaechliche um Arme und Schwarze Menschen sind. Das ist ein Gefuehl, das viele Afroamerikaner in ganz Amerika teilen. Aber man erkannt auch an, wie extrem schwierig es ist bei diesem Ausmass von Zerstoerungen zu helfen, daher halten sich viele Kritiker noch zurueck.
Beruhigt sich Lage nach Besuch Bushs?
Ob wirklich ein Zusammenhang besteht weiss ich nicht, aber erstmals sind heute massive Hilfslieferungen in der Stadt eingetroffen. Fuer manche ist das zu spaet gewesen, allein in den letzten Tagen sind Dutzende Menschen gestorben, weil die Hilfe sich so verspaetet hat. Die Evakuierung des Stadiums ist vollendet, die Menschen, die dort tagelang unter fuerchtbaren Verhaeltnissen ausgehalten haben, sind ins Hinterland verteilt worden. Aber noch immer gibt es Obdachlose, die um Hilfe rufen. Immerhin, die Sicherheitssitatuion hat sich gebessert: endlich habe die erhofften Nationalgardisten in der Stadt Stellung bezogen.
WIE LANGE DAUERN?
Eines der grossen Brueche im Dammsystem ist abgedichtet worden, das macht den Helfern Hoffnung. Aber bis das Wasser abgepumpt ist kann es bis zu drei Monaten dauern, wie viele Haueser dann noch zu restaurieren sind weiss niemand. Der republikanischer Parlamentspraesident in WEashington hat laut darueber nachgedacht, ob es ueberhaupt einen Sinn hat die Stadt wiederaufzubauen, die ja unter dem Meeresspiegel, in einer Mulde liegt. Das hat wilde Proteste ausgeloest, aber die Debatte wie es weiter gehen soll hat begonnen.
MORGENJOURNAL
Ziemlich genau mit dem Praesidenten sind gestern auch die ersten grossen Ladungen von Hilfsguetern in New Orleans eingetroffen. Nationalgardisten verteilten Wasser, Medikamente und Lebensmittel, darauf haben die Menschen seit Tagen verzweifelt gewartet. Auch die Evakuierung des Superdomes, in dem Zehntausende unter schlimmen Verhaeltnissen ausharren mussten, ist abgeschlossen. Fuer viele kam die Hilfe zu spaet, niemand weiss genau wie viele Menschen in den letzten Tagen gestorben sind in den Strassen von New Orleans. Auch die Sicherheitssituation wird langsam besser: zumindest am Tag patrouillieren Nationalgardisten. Aber die Behoerden geben zu, dass es noch immer Stadtviertel gibt, wo den Menschen noch niemand zu Hilfe gekommen ist.
Die Pioniere der US-Army haben eine der grossen Brueche im Dammsystem gestopft, jetzt hofft man, dass das Abpumpen des Wassers beginnen kann. Bis zu drei Monate kann das dauern, niemand weiss, wie viele Haeuser dann noch zu restaurieren sind.
Praesident Bush hat in der zerstoerten Stadt Biloxi in Mississippi mit weinenden Obdachlosen getrauert. Vom Flughafen in New Orleans aus versprach der dem Land, New Orleans wird wieder auferstehen, schoener und staerker als zuvor.
Die Regierung musste sich gestern von vielen Seiten Kritik wegen des langsamen Hilfseinsatzes gefallen lassen. Dass die Ueberlastung der National Guarde durch den Irakkrieg schuld sei, bestritt der Praesident. Amerika sei stark genug im Irak erfolgreich zu sein und eine solche Katastrophe zu meistern, versicherte er. Aber dass man mit den bisherigen Ergebnissen nicht zufrieden sein kann, musste auch er zugeben.
Immerhin hat der Kongress das 10 Milliarden Hilfspaket fuer das Katastrophengebiet verabschiedet. Im Senat wurde gelichzeitig ein Untersuchungsausschuss eingerichtet, der untersuchen soll, wieso das amerikanische Krisenmanagement versagt hat.
Ausdruecklich bedankt hat sich Aussenministerin Condoleeza Rice fuer die Hilfsangebote aus aller Welt. Die USA wollen offensichtlich den Eindruck korrigieren, dass man an internationaler Unterstuetzung nicht interessiert ist. Wenn man weiss, wo welche Hilfe am dringendsten gebraucht werden, werde man auf diese Angebote zurueckkommen, so heisst es in Washington.


 

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