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Katrina ein Jahr danach -
politische folgen, MiJ, 29.8.2006
An diesem ersten Jahrestag
der Katastrophe von Katrina erinnert sich Amerika nicht nur an die verheerenden
Naturgewalten, die an der Golfkueste der USA ein Gebiet von der Groesse
Grossbritanniens verwuestet haben. Auch politisch war Katrina ein Einschnitt.
Selten zuvor sind die Schwaechen des amerikanischen Systems so sichtbar
zu Tage getreten, wie beim jaemmerlichen Versagen der staatlichen Katastrophenhilfe
in New Orleans.
Zwei Szenen symbolisieren die Amtsfuehrung George Bushs: der Praesident
mit dem Megafon auf den Truemmern des zerstoerten World Trade Centers
nach dem 11.September 2001, als Symbol des trotzigen Widerstandswillens.
Aber eben auch: Bush sichtlich wenig interessiert im Flug hoch ueber der
zerstoerten Stadt New Orleans, die aussieht wie nach einer Katastrophe
in der Dritten Welt..
Seit damals waren die Spitzen der Regierung unzaehlige Male im Katastrophengebiet,
aber der politische Schaden ist geblieben, auch fuer den Praesidenten.
Ungluecklicherweise hat Katrina auch gezeigt, dass die oeffentliche Hand
nicht vorbereitet war auf ein Desaster diesen Ausmasses, muss George Bush
heute zugeben.
Die Fluten haben tief verwurzelten Armut blossgelegt, die es vielen Menschen
unmoeglich macht die Chancen wahrzunehmen, die unser Land bietet, so der
Praesident.
Aber das Interesse fuer die furchtbare Armut, mit der ein schockiertes
Amerika in den Tagen von Katrina ploetzlich konfrontiert war, liess rasch
nach. Von Bushs Versprechen, vorgebracht am beruehmten Jackson Square
im historischen French Quarter von New Orleans, Armut und Rassendiskriminierung
zu bekaempfen, ist wenig uebrig geblieben.
Die oppositionellen Demokraten verweisen darauf, dass sich die regierenden
Republikaner in Washington nicht einmal zu einer laengst ueberfaelligen
Erhoehung der Mindeslohnes durchringen konnten.
Bei Gedenkfeiern im ganzen Land klagen Kritiker die konservative Regierung
an, der man vorwirft durch ein finanzielles Aushungern des Staates fuer
das Versagen in New Orleans mitverantwortlich gewesen zu sein.
Nach einem Jahr muessen wir zugeben, wir haben als Nation versagt, so
New Yorks Senatorin Hillary Clinton.
Unsere Fuehrung hat sich von jenen abgewandt, die nach wie vor Hilfe brauchen,
so Hillary Clinton.
Das Weisse Haus weist darauf hin, dass die Bundesregierung insgesamt 110
Milliarden Dollar fuer den Wiederaufbau zur Verfuegung gestellt hat,.
Die groesste Summe, die je fuer ein derartiges Unterfangen aufgebracht
wurde. Aber nur wenig ist von diesem riesigen Betrag bisher wirklich zu
den Betroffenen gelangt. Meinungsumfragen zeigen, dass die ueberwiegende
Mehrheit der Amerikaner der Regierung im Zusammenhang mit Katrina nach
wie vor ausgesprochen negative Zensuren verteilt. Die Popularitaet des
Praesidenten hat sich von dem Einbruch vor einem Jahr auf jeden Fall nie
mehr richtig erholt.
Wenn naechste Woche ernsthaft der Wahlkampf fuer die Kongresswahlen im
November einsetzt, dann werden die regierenden Republikaner mit dem Makel
von Katrina umgehen muessen. Allerdings jaehrt sich in 2 Wochen auch der
11.September 2001. Und mit einer harten Antiterrorlinie hoffen die Republikaner
einmal mehr die Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung zu neutralisieren
.
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