Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kerrys Vietnamvergangenheit umstritten, Morgenjournal, 23.8.2004


Eine Woche vor Beginn des republikanischen Wahlparteitages in New York muss der demokratische Herausforderer John Kerry seinen Militaereinsatz in Vietnam verteidigen, den die Demokraten zum Kern seines Wahlkampfes gemacht haben. Ehemalige Mitkaempfer verteidigen ihn jetzt gegen den Vorwurf, die Heldengeschichten des demokratischen Praesidentschaftskandidaten seien zum groessten Teil erfunden. So hat sich John Kerry die Diskussion ueber seiner Vietnamkriegszeit im
Wahlkampf sicher nicht vorgestellt: die hohen Auszeichnungen, die er fuer
seinen Einsatz erhalten hatte, sollten ihn als Oberbefehlshaber fuer
Krisenzeiten qualifizieren. Im deutlichen Kontrast zu George Bush, der
damals den bequemeren Dienst in der heimatlichen Nationalgarde vorzog. Aber jetzt wird ploetzlich jeder Tag seiner vier Monate in Indochina mit der
Lupe untersucht. Und die tiefen Gegensaetze, zu denen der Vietnamkrieg
damals in Amerika gefuehrt hat, scheinen ploetzlich wieder ganz aktuell.
Denn John Kerry hat sich nach seiner Rueckkehr von der Front gegen den
Krieg gewandt, er wurde ein prominenter Sprecher der Antikriegsbewegung.
Das haben schon damals viele Veteranen als Verrat empfunden, und sie sind
es auch heute, die mit viel Geld aus republikanischen Quellen versuchen die
Reputation des demokratischen Praesidentschaftskandidaten zu zerstoeren.
Konkret geht es um zwei Episoden aus dem Fruehjahr 1969. Als Kommandant eines amerikanischen Schnellbootes im Mekong Delta hat Kerry in einem Hinterhalt des Vietkong einen ueber Bord gegangenen Kameraden mitten im vietnamesischen Gewehrfeuer gerettet. In einem anderen Gefecht sprang Kerry vom Boot, um einen vietnamesischen Kaempfer zu toeten, der die Amerikaner mit einem Granatwerfer bedrohte. Die Kerry-Kritiker unter den Vietnamveteranen bestreiten in beiden Faellen den dramatischen Hintergrund und behaupten der ehrgeizige junge Offizier habe die ganze Sache um der begehrten Medaillen willen uebertrieben.
Eine minutioese Recherche der Washington Post gibt den sogenannten
"Veteranen fuer die Wahrheit" Unrecht und stuetzt Kerrys Version. Zu Wort
gemeldet hat sich auch ein anderer Schnellbootkommandant der damaligen
Zeit, der heute in der Chefredaktion der angesehenen Tageszeitung Chicago Tribune arbeitet und auch er sagt, die Tapferkeitsmedaillen fuer Kerry seien voll gerechtfertigt gewesen.
Aber den Demokraten tut diese Auseinandersetzung sichtlich weh. Wieder und wieder werden die Anti-Kerry-Fernsehspots in den Bundesstaaten mit einem grossen Anteil an Kriegsveteranen gespielt. Ausfuehrlich beschaeftigen sich die einflussreichen rechten Radio-Talks-Shows mit dem Thema. Wenn nur ein bischen etwas haengen bleibt von dieser Kontroverse, dann ist Kerrys Glaubwuerdigkeit beeintraechtigt. Die Aufforderung der Demokraten, George Bush moege erwirken, dass die umstrittene Kampagne eingestellt wird, konnte der bisher souveraen ignorieren.


 

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