Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Klimagipfel in Kopenhagen, ZiB 2, 17.12.2009

Zimmermann Marie-Claire (ORF)
Und wie wahrscheinlich ein Scheitern ist oder nicht, das frage
ich jetzt Raimund Löw direkt in Kopenhagen. Herr Löw, ist das
wirklich eine Option, ein Scheitern oder ist das
Verhandlungstaktik, dass man vom Scheitern spricht?
Löw Raimund (ORF)
In einer solchen Abschlussphase von Verhandlungen ist immer viel
Taktik dabei, wenn zum Beispiel der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy sagt, eine Katastrophe droht, er muss jetzt
persönlich diese Nacht noch einen Krisengipfel organisieren mit
dem brasilianischen Präsidenten und anderen Kollegen, dann
signalisiert er damit natürlich auch die Experten haben zu wenig
geschafft, er muss jetzt als Chef die Sache in die Hand nehmen.
Vergessen wir nicht, heute und morgen sind hier 130 Staats- und
Regierungschefs, so etwas hat es in der gesamten Geschichte der
Klimapolitik der Vereinten Nationen noch nicht gegeben, das ist
ein ungeheurer Erfolgsdruck. Man kann sich eigentlich schwer
vorstellen, dass das ein glattes Scheitern wird. Es ist durchaus
möglich, dass wir am Ende zwar ein bisschen die Frage der
Definition haben werden, was bezeichnet man als Scheitern oder was
bezeichnet man dann doch als langsamen Schritt in die richtige
Richtung?
Zimmermann Marie-Claire (ORF)
Wenn es jetzt kein Scheitern wird, wenn etwas herauskommt beim
Klimagipfel? Was kann dann realistischer Weise herauskommen, so
verschieden wie die Positionen sind?
Löw Raimund (ORF)
Was es nicht geben wird, ist ein
rechtsverbindlicher Vertrag. Das war ja zu Beginn die große
Hoffnung, dafür ist die Zeit nicht mehr da in Kopenhagen. Was
möglich ist, was denkbar ist: Das ist ein Rahmenvertrag, in dem
aber in wichtigen Bereichen fixe Zahlen stehen. Ein Rahmenvertrag,
der dann im Laufe des nächsten Jahres bei einer neuen
Klimakonferenz rechtsverbindlich, völkerrechtlich verbindlich,
gemacht werden müsste. Die Vereinten Nationen setzen ja das Ziel,
die Erderwärmung darf zwei Grad Celsius nicht überschreiten und
die Experten haben da eine ganz genaue Zahl fixiert, was das
bedeutet. Das bedeutet 44 Gigatonnen CO2 dürfen im Jahr 2020
produziert werden, damit die Erderwärmung nicht zwei Grad
übersteigt. Was wir jetzt hören aus den Verhandlungskreisen ist,
dass die informellen Angebote, die aus China kommen, aus den USA
kommen, auch aus Europa kommen, diese Zahl bei weitem
überschreiten. Dass, wenn es bei diesen informellen Angeboten
bleibt, die Erderwärmung drei Grad... sich auf drei Gradbelaufen
wird. Wenn es dabei bleibt, dann wird es recht schwierig sein,
diese Konferenz als Erfolg zu verkaufen, aber die Verhandlungen
laufen ja noch die ganze Nacht auf Hochtouren.


 

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