Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Klimapaket der EU, MiJ, 23.1.2008

Die schwierigen Verhandlungen im Vorfeld und die sorgfältige Inszinierung des heutigen Tages mit einer Rede von Kommmissionspräsident Barroso vor dem Parlament und Stellungsnahmen zahlreicher Kommissare machen es klar: für die Europäische Union ist das Klimapakets viel mehr, als die Verabschiedung einer Reihe neuer Gesetze oder Richtlinien.
Es geht in Wirklichkeit um eine neue, erweiterte Identität der Union. Denn eines ist klar: der Kampf gegen den Klimawandel ist eine Aufgabe, mit der einzelne Nationalstaaten heillos überfordert wären. Ohne ein gemeinsam agierendes Europa wird sich auch international wenig bewegen.
Aber die praktische Umsetzung der großen Ziele, mit der die Europäer schon bei den Verhandlungen in Kyoto vor 10 Jahren die Richtung vorgeben wollten, blieb oft auf der Strecke.
Ein Beispiel ist Österreich, das in Kyoto mitverhandelt hat und ambitionierte Ziele einer massiven weit über den europäischen Durchschnitt liegenden Reduktion des CO2-Ausstoßes versprochen hat. In Wirklichkeit sind die österreichischen Treibhausgasausstöße jedoch nicht gesunken, sondern deutlich gestiegen.
Das heutige Klimapaket der Europäischen Kommmission soll daher ambitioniert und realistisch zugleich sein. Die EU würde nicht nur Friedensunion und Wirtschaftsunion, sondern auch eine Union für die Umwelt. Wird die grüne Revolution ein Erfolg, dann würde die als Klimaunion auch so etwas wie ein neues internationales Wirtschaftsmodell vorgeben. Sind der Wirtschaft doch schon lange nicht mehr so starke politische Vorgaben gemacht worden.
Der europäische Handel mit Emissionszertifikaten, also dem Recht von Branchen und Firmen zum Co2-Ausstoß, wird inzwischen weltweit kopiert. Die Kommission will dieses einzigartige Experiment den Mitgliedsstaaten aus der Hand nehmen und auf eine bessere, gesamteuropäische Stufe stellen.
Der Kampf der Lobbys und Interessensgruppen hat schon im Vorfeld viel Staub aufgewirbelt. Energiereiche Branchen wie Stahl oder Aluminium haben offensichtlich im letzten Augenblick noch viele Ausnahmeregelungen durchgesetzt. Solange es kein gültiges internationales Abkommen gibt, sollen strenge Klimaschutzregeln Firmen und Arbeitsplätze nicht vertreiben, lautet das Argument.
Die Gefahr ist zweifelsohne nicht gebannt, dass bei dem unvermeindlichen Konflikt zwischen unmittelbaren wirtschaftlichen Interessen und den langfristigen Klimazielen die Umwelt den Kürzeren zieht. Aber auch die meisten Kritiker gestehen ein, dass mit dem heutigen Klimapaket die erwünschte Kursänderung des Riesentankers europäische Wirtschaft in klimafreundliche Richtung möglich ist. Ob der Kurs gehalten wird und das Ziel erreicht wird, nämlich in diesem Jahrhundert eine Klimaerwärmung auf 2 Grad Celsius zu beschränken, das wird auch von der technologischen Entwicklung, vom Sparwillen der Bürger und zahlreichen internationalen Faktoren abhängen. Ohne wirksame EU-Klimapolitik wäre es jedoch mit Sicherheit unmöglich je dahin zu kommen. Und das wäre für den gesamten Planeten Erde fatal, darin sind sich fast alle Wissenschaftler einig.

 

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