Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Klimastreit in der EU, MiJ, 21.10.2009

In sechs Wochen beginnt in Kopenhagen die seit langem erwartete internationale Klimakonferenz, die entscheiden soll, wie es mit der Klimapolitik nach dem Auslaufen des Abkommens von Kyoto weitergehen soll. Die Europäische Union verfügt als einziger großer Wirtschaftsblock bereits über fixe Regeln, wie die Treibhausgase reduziert werden sollen. Welche Verhandlungsposition die Europäer in Kopenhagen vertreten sollen, ist innerhalb der Union aber nach wie vors sehr umstritten. Keine Einigung gab es bei den Finanzministern gestern, heute verhandeln die EU-Umweltminister weiter.
Die Entscheidungen bei internationalen Konferenzen fallen immer erst in den letzten zwei, drei Tagen, wenn Minister oder Regierungschefs zugegen sind, beruhigen Experten. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Alarmrufe meist nur Verhandlungstaktik.
Aber sechs Woche vor Verhandlungsbeginn in Kopenhagen werden die Warnsignale lauter. Das Fiasco beim gestrigen EU-Finanzministerrat, der sich auch nach monatelangen Vorverhandlungen nicht einigen konnte, wer zahlen soll in der EU, zeigt, wie schwierig internationale Klimapolitik voranschreitet.
Dabei ist die EU selbst im Klimaschutz viel weiter, als die USA oder China. Die Europäer verlangen, dass in Kopenhagen ein verbindlicher Nachfolgevertrag für das Klimaabkommen von Kyoto beschlossen werden soll. Eine allgemeine Absichtserklärung oder ein Hinausschieben der schwierigen Entscheidungen auf eine Nachfolgekonferenz im nächsten Jahr wäre ihrer Meinung nach zu wenig.
Aber jetzt tun sich sichtlich schwer ihre eigene Verhandlungsposition abzustecken. Denn in Kopenhagen wird Schweden als Vorsitzland für alle 27 sprechen. Der Disput über einen gemeinsamen Finanzierungsvorschlag, auf den sich die Finanzminister nicht einigen konnten, wird die Regierungschefs jetzt beim EU-Gipfel nächste Woche beschäftigen.
Es geht um mehrere Milliarden Euro jährlich, die aus den entwickelten Ländern in die Entwicklungsländer fließen sollen, damit diese auf umweltfreundliche Technologien umschwenken. Die Europäische Union muss klären, welche Summen in Kopenhagen angeboten werden können und wer EU-intern zahlt. Neun neue Mitgliedsstaaten, angeführt von Polen, wollen sich an gemeinsamen Finanzhilfen nicht oder fast nicht beteiligen. Die armen Länder Europas können doch den reichen Ländern Europas nicht helfen, die armen Länder der Welt zu unterstützen, argumentiert man in Warschau. Ohne fixe Garantien, dass sie von den meisten Klimazahlungen an die Entwicklungsländer ausgenommen sind, wollen die neun neuen Mitgliedsstaaten dem Verhandlungsmandat der EU für Kopenhagen nicht zustimmen.
Deutschland warnt zusätzlich aus verhandlungstaktischen Gründen davor, sich jetzt schon auf Zahlen festzulegen. Nächste Woche werden die Staats- und Regierungschefs die schwierige Suche nach einem Kompromiss übernehmen müssen. Es geht um einen Betrag zwischen mindestens 2 Milliarden und höchstens 15 Milliarden Euro jährlich.
Klimaschutzer warnen: Nur durch einen ernsthaften Finanzierungsvorschlag der entwickelten Staaten, werden sich China. Indien und Brasilien in Kopenhagen dazu bewegen lassen, ihren Treibhausgasausstoß zu begrenzen. Obwohl die Zeit drängt lässt der jetzt auf sich warten.



 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann