Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Klimawandel Alarm, MoJ, 11.3.2008

Auf eine Verschärfung politischer Konflikte und bisher ungeahnte Herausforderungen für die Sicherheitspolitik muss sich Europa infolge des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten einstellen. Diese Warnung der für Aussenpolitik zuständigen Verantwortlichen der EU, Javier Solana und Benita Ferrero-Waldner, ist in einem Papier enthalten, das kommenden Donnerstag den Staats- und Regierungschefs bei ihrem Frühjahrsgipfel vorgelegt wird. Raimund Löw berichtet.
Erstmals beschreiben Javier Solana und Benita Ferrero-Waldner den Klimawandel nicht nur als Gefahr für wirtschaftliche Entwicklung und Umwmelt, sondern auch als ernst zu nehmende Bedrohung für die nationale Sicherheit Europas. Denn die bevorstehenden Klimaveränderungen wirken sich als Bedrohungs Multiplikator aus, heißt es in dem Papier für die 27 Staats- und Regierungschefs der EU. Alle schon gegenwärtig vorhandenen Spannungen würden um ein Vielfaches verschärft.
Die beiden obersten Sicherheitsverantwortlichen der EU erwarten neue Grenzkonflikte, wenn Küstengebiete infolge des wachsenden Meeresspiegels überflutet werden. In manchen Gebieten Asiens oder Afrikas sei mit einem Rückgang des Trinkwassers um bis zu 30 Prozent zu rechnen. Knappe Nahrungsmittel und versickerndes Trinkwasser werden zu einem neuen Phänomen führen: Klimabedingten Wanderbewegungen, die um 2020 bereits Millionen Menschen erfassen könnte.
Fast wie ein Katastrophenszenario eines ökologischen Think Tanks liest sich das Papier der beiden sonst so zurückhaltenden Aussenpolitikverantwortlichen Solana und Ferrero-Waldner. Sie warten auch mit Beispiel auf: in Israel könnte die Wasserversorgung in diesem Jahrhundert um 60 Prozent zurückgehen. Für Nordafrika sehen sie die Gefahr, dass bebaubares Land um bis zu 75 Prozent schrumpfen könnte.
Koautorin Ferrero Waldner sieht Klima bedingte Konfliktherde in verschiedenen Richtungen.
OT
Aber auch im hohen Norden wächst das Krisenpotential, wenn etwa das Polareis am Nordpol schmilzt. Denn plötzlich könnte ein Wettlauf um die riesigen unter Wasser liegenden Bodenschätze einsetzen. Dass Russland kürzlich unter dem Nordpoleis eine russische Fahne deponiert hätte, illustriert das wachsende Interesse an einst völlig uninteressanten Weltgegenden.
Der Alarmruf der obersten Außenpolitiker der EU ist für einen EU-Gipfel Ende der Woche gedacht, bei dem es um die schwierige Umsetzung der großen Klimaziele Europas gehen wird. Nur wenn der Klimawandel ähnlich als sicherheitspolitische Risiko aufgefasst wird, wie Terrorismus oder Grenzstreitigkeiten, werde man den sich daraus ergebenden Gefahren gerecht, argumentieren Javier Solana und Ferrero-Waldner.


 

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