Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Klonprodukte unbedenklich, MiJ, 15.1.2008


Als ein Team britischer Wissenschaftler vor Jahren das erste geklonte Schaf namens Dolly auf die Welt brachte, da war das eine Sensation. Inzwischen wurden hunderte Tiere nicht auf natürliche Weise durch die Befruchtung einer Eizelle ins Lebens gesetzt, sondern durch die künstliche Verdoppelung von Zellen eines lebenden Tieres, eben dem Klonen. Die Lebensmittelbehörden untersuchen seither, ob Produkte von geklonten Tieren für den menschlichen Konsum unbedenklich wären. Die Antwort ist sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union positiv.
Bis Schinken geklonter Schweine oder Milch geklonter Kühe in den Regalen der Supermärkte zu finden sind, wird es wohl noch Jahre dauern. Geklont wird zur Zeit ausschließlich zu Forschungszwecken, für die landwirtschaftliche Nutzung wären die Kosten viel zu groß. Auch die Frage, ob das Klonen zum menschlichen Konsum ethisch vertretbar ist, bleibt offen.
Aber vom Standpunkt der Lebensmittelsicherheit wäre Schinken, Butter oder Joghurt von geklonten Tieren unbedenklich. Zu dieser Einschätzung ist die Europäische Lebensmittelbehörde gekommen. In den langwierigen Untersuchungen haben sich keine Unterschiede zu den Produkten von konventionell gezeugten Tieren feststellen lassen. EFSA, die in Parma in Italien ansässigen EU-Behörde, stellt ihre Unterlagen jetzt europaweit zur Diskussion. Die Mitgliedstaaten sind eingeladen Stellung zu nehmen und mögliche anderslautende Erkenntnis einzubringen.
Die europäischen Lebensmittelexperten geben zu, dass geklonte Tiere überdurchschnittlich oft krank sind und eine größere Sterblichkeitsrate aufweisen. Aber Tiere, die nicht gesund sind, müssen sowieso aus der Ernährungskette entfernt werden, das sei auch bei natürlich gezeugten Rindern, Schweinen oder Schafen nicht anders. Für die Konsumenten gäbe es keine zusätzlichen Risiken.
An diesem Punkt hacken Kritiker ein. Sie weisen darauf hin, dass niemand weiß, warum zum Beispiel geklonte Rinder meist übergewichtig sind und ein schwaches Immunsystem haben. Untersucht wurden mehrere hundert Tiere, das sei eine viel zu kleine Auswahl um wirklich gesicherte Erkenntnisse zu haben.
Aber auch jenseits des Atlantiks kommt die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA zu ganz ähnlichen Schlüssen. In der 968 Seiten dicken Risikoeinschätzung der Food and Drug Administration, die der angesehen Washington Post zugespielt wurde, heißt es, Nahrungsmittel von geklonten Tieren oder deren Nachwuchs seien genauso sicher wie Produkte herkömmlich gezeugter Tiere. Die USA sind im Entscheidungsprozess weiter als die Europäer. Der Spruch der FDA beseitigt die letzten Barrieren zur Vermarktung von Fleisch und Milch von geklonten Rindern, und Schweinen, Schafen und Ziegen.
Aber auch in den Vereinigten Staaten ist die gesellschaftliche Akzeptanz derartiger Produkte nicht sehr groß. Vor allem die Milchwirtschaft in den USA fürchtet um den weltweiten Ruf amerikanischer Milchprodukte und wollte ursprünglich durchsetzen, dass die Untersuchungen weiter in die Länge gezogen werden. Hinter dem grünen Licht für Klonfleisch und Klonbutter in den USA stecken die Interessen ganz weniger Agrarkonzerne, kritisiert eine klonkritische Organisation die Entscheidung. Die Skeptiker wollen vor Gericht gehen.
Aber die Zulassung neuer Lebensmittel oder Medikamente ist grundsätzlich weder in den USA noch in Europe von der öffentlichen Meinung abhängig, sondern von der Abwägung des Nutzens und der Risiken. Niemand wird gezwungen bestimmte Produkte zu kaufen. Vertreter der auf Biotechnologie spezialisierten Agrarwirtschaft sagen, das Klonen wird es einmal möglich machen mehr qualitativ hochstehende Tiere in die Nahrungskette einzuführen und damit Sicherheit, Quantität und Qualität der Lebensmittel zu verbessern.
Das Konsultationsverfahren der Europäischen Lebensmittelbehörde dauert bis Ende Februar.

 

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