Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kommission zu US-Geheimdiensten, MoJ, 2.4.2005


Ueber 600 Seiten ist der Kommissionsbericht ueber die Geheimdienstfehler im Irak dick, und nur langsam realisiert die Oeffentlichkeit die Tragweite seiner Enthuellungen. Nahezu unglaubliche Nachlaessigkeit, Inkompetenz und Ignoranz gegenueber allen Warnsignalen haben nach Meinung der Experten zum Glauben an die akute Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen gefuehrt. Es war das groesste Geheimdienstdebakel der juengeren amerikanischen Geschichte.
Genuesslich breiten die amerikanischen Medien die unglaubliche Geschichte eines Informanten namens Curveball aus, auf dessen Angaben die seinerzeitige spektakulaere Behauptung Collin Powells vor dem UNO-Sicherheitsrat basierte, Saddam Hussein sei dabei in mobilen Labors biologische Waffen herzustellen. Curveball war ein Ueberlaeufer des irakischen Baathregimes und weit und breit die einzige Quelle fuer diese Behauptung. Aber kein CIA-Mitarbeiter hat je mit dem Mann gesprochen.Erzaehlt hat Curveball seine Theorien alleine dem deutschen Bundesnachrichtendienst. Als ein skeptisch gewordener CIA-Mitarbeiter nach Deutschland fuhr, um mit dem mysterioesen Curveball einmal selbst zu sprechen, winkten die deutschen Kollegen ab: der Mann sei durchgedreht und permanent alkoholisiert, ein solches Treffen zahle sich gar nicht aus. Aber Popularitaet seiner Thesen in hoechsten CIA-Kreisen tat das keinen Abbruch. Noch in der Nacht vor der grossen Rede Colin Powells vor der UNO warnte ein skeptischer Abteilungsleiter CIA-Boss George Tenet, Curveball koennte die biologischen Waffenlabors erfunden haben. Der seufzte nur. Der Aussenminister erfuhr kein Wort von all diesen Zweifeln.
Das taegliche Geheimdienstbriefing, dass der Praesident jeden Morgen persoenlich vom Chef des CIA erhaelt, sei vor allem darauf aus gewesen durch marktschreierische Schlagzeilen Aufmerksamkeit zu erregen.
Regierungskritische Zeitungen vermerken, dass es der Kommission nicht erlaubt war zu untersuchen, wie die Politik mit diesen Informationen umgegangen ist. Hier setzt die Kritik der demokratischen Opposition ein: Nancy, die demokratische Fraktionsfuehrerin im Repraesentantenhaus, sagt jede Analyse muss unvollstellig bleiben, wenn man nicht die Rolle des Praesidenten beruecksichtigt.
Aber nur wenige amerikanische Kommentatoren sind bereit die Frage nach dem grundsaetzlichen Stellenwert von Geheimdiensten zu stellen. Abweichende Meinungen muessten mehr Raum bekommen, verlangt die Kommission. Aber wenn ein Praesident derart entschlossen ist einen Krieg zu fuehren, wie George Bush im Fall des Irak, ist es dann nicht logisch, dass auch der Geheimdienst entsprechend gewichtet? Geheimdienste unterstuetzen eine politische Linie, sie machten nicht Politik, liest man in der Washington Post. In seiner gesamten 5ojaehrigen Geschichte habe der CIA die Steckenpferde der jeweiligen Administrationen gepflegt und gehegt, so auch im Fall des Irak.
Dass die Frage nach der politischen Verantwortung ausgelassen wird, ist auch nach Ansicht der New York Times der groesste Schwachpunkt: zu schuechtern, um dem Problem auf den Grund zu gehen, sei der Bericht ausgefallen.

 

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