Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Konfuse Irandiplomatie, MiJ, 23.10.2007

In Rom trifft EU-Außenpolitikbeauftragter Javier Solana heute zu Verhandlungen über das iranische Atomprogramm mit einer Delegation aus Teheran zusammen. Solana bietet Teheran weitreichende ökonomische Zusammenarbeit an, sollte der Iran auf die umstrittene Urananreicherung verzichten. Die iranische Führung will von einer solchen Konzession aber nichts wissen. Die Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen steigen.
Bis Ende November soll Javier Solana, der Außenpolitikbeauftragte der Europäischen Union, dem UNO- Sicherheitsrat Bericht erstatten. Erst danach, sowie nach einem ebenfalls für die nächsten Wochen erwarteten Zwischenbericht der Atomenergiebehörde, werden in New York die Verhandlungen über neue Sanktionen gegen den Iran beginnen.
Und so unklar wie jetzt war die Situation rund um das iranische Atomprogramm schon lange nicht.
Solana trifft bei seinen Iran-Gesprächen in Rom auf einen neuen iranische Verhandlungsführer. Ali Larijani, der als Pragmatiker geltende bisherige iranische Atombeauftragte ist am Wochenende völlig überraschend abgesetzt und durch einen Vertrauten von Präsident Ahmedinejad ersetzt worden. Die ungewöhnliche Personalrochade wird allgemein als Zeichen für eine Verhärtung der iranischen Position interpretiert. Aber die Situation ist unklar: Larijani bleibt trotz seines erzwungenen Rücktritts Teil der iranischen Verhandlungsdelegation. Und zwar als persönlicher Vertreter des obersten geistlichen Führers des Irans. Ayatolla Khamenei. Präsident Ahmedinejad ist heute früh von überstürzt von einer Auslandsreise nach Teheran zurückgekehrt, wegen einer plötzlichen innenpolitischen Krise.
Aber die unübersichtlichen Machtverhältnisse in der iranischen Führung sind nur eines der Probleme für Javier Solana. Denn nicht viel klarer ist die Linie des Westens.
In Washington hat sich erst am Wochenende Vizepräsident Dick Cheney, der einflussreichste Hardliner in der amerikanischen Administration, mit der Bemerkung zu Wort gemeldet, die Welt werde nie akzeptieren, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Seit Wochen wird in Washington der Chor jener immer lauter, die ein militärisches Vorgehen gegen die Islamische Republik fordern. Ein mysteriöser israelischer Bombenangriff gegen Syrien vor ein paar Wochen könnte eine kaum verhüllte Warnung an die iranische Adresse gewesen sein.
Israel, das selbst Atommacht ist, fühlt sich sehr unmittelbar durch die Perspektive iranischer Atombomben bedroht. Die Idee von militärischen Präventivschlägen gegen iranische Nukleareinrichtungen wird in Israel seit Wochen offen diskutiert. Israels Premierminister Olmert macht auf einer Europatour heute in London bei Gordon Brown halt - der Iran wird eines der Themen sein.
Bewegung gekommen ist auch in die Iranpolitik der Europäer, seit Frankreichs Präsident Sarkozy sich der harten Linie der Amerikaner angenähert hat. Den Plan, eigene EU-Sanktionen noch vor einem Beschluss des Sicherheitsrates zu verlangen, hat Frankreich jedoch vorläufig aufgegeben. Ob die Europäer einem amerikanisch-israelischen militärischen Angriff auf den Iran total negativ gegenüberstehen würden, so wie in der Vergangenheit, das ist aber nicht mehr ganz klar.
Der einzige Punkt, in dem sich alle einig sind: bei dem Konflikt mit dem Iran handelt es sich um die größte Gefahr für den Weltfrieden seit langem. Präsident Bush sprach sogar vom Risiko eines Dritteln Weltkrieges, eine Bemerkung die das Weiße Haus in der Folge als rhetorische Wendung entschärfen wollte.
Kein einfacher Hintergrund für die heutigen Iran-Gespräche von EU-Außenpolitiker Javier Solana in Rom.

 

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