Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kongresswahlen - Wahlkampf, Der Regierung Bush droht ein Fiasco, Format, 3.11.2006


Wie Tammy Duckworth im Bundesstaat Illinois abschneidet, wird entscheidend für den zukünftigen politischen Kurs der USA sein. Die 38jährige demokratische Irak-Veteranin hat gute Chancen einen traditionell republikanischen Wahlkreis westlich von Chicago umzudrehen. Erstmals seit 12 Jahren könnte eine Welle des Protests gegen die Regierung den Demokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus in Washington bescheren. Zu ihren Wahlveranstaltungen kommt die junge Frau auf Krücken: bei einem Raketenangriff auf ihren Black Hawk Helikopter im Irak 2004 hat sie beide Beine verloren. Dass die Republikaner ihren Patriotismus anzweifeln, weil sie den Irakkrieg kritisiert, hat zu einer landesweiten Solidarisierungswelle unter ehemaligen Soldaten geführt.
Alle Meinungsforscher sind sich einig: die Chancen der Demokraten auf einen Durchbruch im Kongress waren schon seit Jahren nicht so gut. Selbst in dem mit 100 Mitgliedern viel kleineren Senat, der nur zu einem Drittel erneuert wird, könnte es mit etwas Glück sechs demokratische Zugewinne geben, durch die die regierenden Republikaner zur Minderheitspartei würden.
Der oppositionelle Höheflug wenige Tage vor dem entscheidenden 7.November hat einen Grund: den Irak. Während bei Kongresswahlen normalerweise lokale Themen dominieren, überschatten die Katastrophenmeldungen aus Bagdad seit Wochen jede andere Diskussion. Längst ist von einem "Referendum über den Irakkrieg" die Rede. Immer mehr Bürger haben das Gefühl, dass die Regierung hilflos agiert und keine Ahnung hat, wie sie je aus dem Schlamassel wieder herauskommen soll.
Die nach den Anschlägen des 11.September so zahm gewordenen Medien haben ihre alte Bissigkeit zurück gewonnen. Mit seinem neuen Bestseller "State of Denial" geiselt Starjournalist Bob Woodword die Propagandalügen der Regierung mit einer Verve, die an die besten Zeiten des amerikanischen Journalismus während des Vietnamkrieges erinnert. Leicht in Panik hat das Weiße Haus wenige Tage vor der Wahl George Bushs markigen Spruch "Stay the course", es gehe einfach darum "den Kurs zu halten", durch Anzeichen neuer Flexibilität zu ersetzt.
Unwahrscheinlich, dass dieses etwas durchsichtige Manöver gelingt. Der 7.November dürfte zu einer massiven Protestwahl werden. Haben die Republikaner die treuen christlich-fundamentalistischen Wähler doch noch zusätzlich durch Korruptionsaffären und einen peinlichen Sex-Skandal um anzügliche E-Mails eines konservativen Abgeordneten an minderjährigen Kongress-Pagen verärgert. George Bush droht damit endgültig zur "Lame Duck" zu werden, der legendären "lahmen Ente", der selbst die eigenen Parteigänger nicht mehr richtig folgen.
Ist das Weiße Haus republikanisch, der Kongress zumindest teilweise demokratisch und steht noch dazu 2008 ein Präsidentschaftswahlkampf bevor, dann heißt das: politische Blockade in Washington DC. Das Veto des Präsidenten könnte allfällige Investitionsprogramme des Kongresses oder eine Erhöhung der Mindestlöhne stoppen. Die Demokraten wiederum werden die von Bush gewünschte Teilprivatisierung des staatlichen Mindestpensionssystems "Social Security" endgültig verhindern. Sogar die Steuerkürzungen der ersten Amtszeit Bush drohen zu wackeln: die entsprechenden Gesetze laufen 2010 aus, gehört der Kongress den Demokraten ist eine Verlängerung höchst unwahrscheinlich. In der Außenpolitik könnte eine durch einen Rückschlag an den Urnen geschockte Regierung Bush versucht sein, neue Akzente zu setzen. Donald Rumsfeld dürfte es nach einer republikanischen Wahlniederlage an den Kragen gehen. Dafür könnte Bush sich bemühen ausgewählte Demokraten bei einer Neuformulierung der Irakpolitik einzubinden, fehlt der Opposition doch eine geschlossene Alternativstrategie zum bisherigen Kurs.
Der Anbruch eines neuen progressiven Zeitalters wäre ein von den Demokraten dominierter Kongress wohl noch nicht. Die neue Generation demokratischer Politiker teilt in ihrer Mehrheit das Credo der kriegsversehrten Irak-Veteranin Tammy Duckworth in Illinois: "Fiskalisch konservativ und gesellschaftspolitische gemäßigt", so beschreibt sie ihren Standpunkt.

 

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