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Wahlkampffinale, MoJ, 6.11.2006
Die Spannung ist riesig vor dem morgigen Wahltag. Seit Wochen sagen die
Meinungsforscher grosse Gewinnen fuer die oppositionellen Demokraten voraus.
Aber den letzten Tagen konnten die Republikaner offensichtlich aufholen,
das bestaetigen mehrere Umfragen. Aber von einer Trendwende zugunsten
der Regierungspartei spricht niemand. Die angesehen Washington Post zum
Beispiel berichtet, der Abstand zwischen den beiden Parteien sei in den
letzten beiden Wochen von 14 auf nur mehr 6 Prozentpunkte geschrumpft.
Trotzdem haelt das Blatt es aber fuer moeglich, dass nicht nur das Repraesentantenhaus,
sondern auch der Senat die Farbe wechseln koennte. Drei zusaetzliche Senatoren
seien den Demokraten so gut wie sicher. Sechs zusaetzliche Sitze brauchen
sie, um auch in dem 100 Personen zaehlenden amerikanischen Oberhaus die
Mehrheit zu bekommen. Die Entscheidung darueber duerfte in den Bundesstaaten
Virginia, Tennessee, Missouri und Montana fallen, wie Kopf an Kopf-Rennen
Vorhersagen schwer machen. Als wahrscheinlich gilt nach wie vor, dass
die Opposition in dem 435 Abgeordnete umfassenden Repraesentantenhaus
deutlich mehr als die erforderlichen 15 Wahlkreise dazugewinnen wird,
was den Demokraten erstmals seit 12 Jahren wieder die Mehrheit bescheren
wuerde.
Inoffiziell teilen viele fuehrende Republikaner diese fuer sie duesteren
Aussichten. Nach aussen jedoch verweist man darauf, wie oft sich Meinungsforscher
in der Vergangenheit geirrt haben.
IN der Endphase des Wahlkampfes geht es vor allem darum wer seine Sympathisanten
besser zu den Urnen bringt. Mit grossem Aufwand hat die republikanische
Partei in den vergangenen Jahren Datenbanken aufgebaut, die es den Aktivisten
moeglich machen sollen sehr geziehlt potentielle Sympathisanten anzusprechen.
Maenner ueber 35, die grosse Sportwaegen SUVs fahren, gelten zum Beispiel
als offen, fuer die Argumente der Regierungspartei. Tausende Freiwillige
rufen derartige nach einem ausgekluegelten System zusammengestellte Listen
durch.
In den besonders umkaempften Wahlkreisen werden die Buerger seit dem Wochenende
noch einmal mit unzaehligen Werbespots in Radio und Fernsehen ueberschuettet.
Anders als in vielen europaeischen Staaten laeuft der Wahlkampf in den
USA ja primaer in den elektronischen Medien ab, es gibt kaum Plakate.
Dabei faellt auf, dass die Republikaner die meiste Fernsehwerbung in den
Bundesstaaten kaufen, wo sie ihre gefaehrdeten Senatoren verteidigen muessen.
Manche Wahlbeobachter schliessen daraus, dass sich die Regierungspartei
mit einer Niederlage im Abgeordnetenhaus in Wirklichkeit bereits abgefunden
hat.
George Bush will auf jeden Fall seine Wahlkampftour bis zum letzten Augenblick
fortsetzen. Er wird allein heute in Florida, Arkansas und Texas auftreten.
Das Todesurteil gegen Saddam Hussein ist in der vom Irakkrieg beherrschten
Wahlauseinandersetzung zweifelsohne eine gute Nachricht fuer das Weisse
Haus. Der Praesident begruesst das Urteil ausdruecklich als ein Meilenstein
fuer die junge irakische Demokratie, wie er woertlich sagt. Auch die gute
Wirtschaftslage wird von den Republikanern im Wahlkampffinale hervorgehoben:
tatsaechlich ist die Arbeitslosenrate in den USA auf 4,4 Prozent zurueckgegangen.
Ob das an der allgemein beobachteten grossen Unzufriedenheit der Waehler
etwas aendern kann, gilt jedoch als fraglich.
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