Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Kongresswahlen-Wahltag, ZiB 2 live, 7.11.2006


Wieso Irak so dominant, obwohl lokale Wahlen?
Das stimmt absolut, bei Kongresswahlen spielen lokale Themen normalerweise eine sehr grosse Rolle.
Auf den Wahlzetteln oder Bildschirmen, mit denen gewaehlt wird, stehen auch Personen, die Sheriff werden wollen, oder Kandidaten fuer die Schulbehoerde oder Bezirksraete.
Aber der Irakkrieg hat in diesem Wahkampf alles in den Hintergrund gedraengt.
Das haengt mit dem Gefuehl zusammen, dass die Regierung Bush in Wirklichkeit nicht weiss, wie es weitergehen soll. Und dass der Praesident der amerikanischen Bevoelkerung nicht reinen Wein einschenkt, dass er nicht sagt, wie schlimm es wirklich steht.
Es geht dabei laengst nicht nur um den Krieg allein, sondern um die grundsaetzliche Frage, ob Amerika ueberhaupt eine kompetente Fuehrung hat in der gegenwaertigen Regierung.
Auch im Inneren, Stichwort Katrina, wo auch die Katastrophenhilfe fuerchterlich versagt bat
Diese Kombination: ein verheerend verlaufender Krieg und das Gefuehl, da ist eine Regierung, die der Situation nicht gewachsen ist, das zu Skepsis gegenuber Republikaner im Wahlkampf gefuehrt hat.
Wenn Demokraten gewinnen, welche Aenderungen?
Die Aussenpolitik, auch die Irakpolitik wird natuerlich weiter im Weissen Haus gemacht, daran wuerde sich nichts aendern.
Aber der Druck wuerde sprunghaft steigen nach Alternativen zum bisherigen Kurs zu suchen, auch wenn das bedeutet bisherige Entscheidungen rueckgaengig zu machen.
In einigen Wochen wird die noch vom alten Kongress eingerichtete sogenannte Iraq Study Group unter dem frueheren Aussenminister Jim Baker ihren Bericht abliefern. Gelegenheit fuer eine breite Diskussion ueber die Irakstrategie sein.
Den Irak aufgeben und sich selbst ueberlassen, das wollen auch die Demokraten nicht.
Aber sei sagen es muss ein Uebergangsszenario geben, dass zu einem Rueckzug eines grossen Teils der amerikanischen Truppen fuehrt.
Welche Szenarios? Rummy?
Praesident Bush ist jemand, der zu seinen Mitarbeitern steht und er hat gesagt, Rumsfeld bleibt. Aber man weiss, dass sich so etwas rasch aendern kann in der Politik.
Rumsfeld ist fuer ihn zu einer echten politischen Belastung geworden.
Nicht nur die Demokraten, auch ehemalige Offiziere, sogar Armeezeitungen verlangen seinen Ruecktritt.
Jeder Praesident will nach so schwierigen Wahlen einen Neuanfang.
Wuerde mich nicht wundern, wenn George Bush den ohne Donald Rumsfeld versuchen wuerde.
Aufteilung des Irak?
Eine Aufteilung in Regionen ist sicher eine Moeglichkeit, die ueberlegt wird. Peter Galbraith vertritt diese Idee schon sei laengerem.
Das Gegenargument war immer, dass das zu einem Buergerkrieg fuehren wuerde.
Wenn man zum Schluss kommt, dass der sowieso unvermeidlich ist, dann verliert dieses Gegenargument an Gewicht.
Ein anderer Gedanke ist eine grosse internationale Konferenz ueber den Irak, nach dem Beispiel der Dayton-Konferenz, die den Bosnienkrieg beendet hat.
Alles Ideen, die sehr schwer umzusetzen sind.
Insgesamt wuerde ich in Zukunft groessere Flexibilitaet in der amerikanischen Irakpolitik erwarten.
Eine Aufgabe des Irak, wie die Amerikaner Vietnam aufgegeben haben oder die Sowjetunion Afghanistan, wird aber von keiner relevanten Gruppe erwogen.

 

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